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Ein Elternabend im großen Saal des Mehrgenerationenhauses

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Kath. Frauengemeinschaft Hermeskeil

Wegen der Corona-Pandemie haben wir uns entschlossen, den für den Sonntag, 22.11.2020 geplanten Adventsmarkt.......

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Gräbersegnung in Rascheid, Beuren/Prosterath, Höfchen und Hinzert

 

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Sonntags-Impuls

Impuls von Diakon Andreas Webel zur Liturgie am Sonntag.

 

 

> 28. Sonntag im Jahreskreis – A

Evangelium:  Mt 22, 1 - 10

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit
erzählte Jesus den Hohepriestern
   und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
   ist es wie mit einem König,
   der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
Er schickte seine Diener,
   um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
Sie aber wollten nicht kommen.
Da schickte er noch einmal Diener
und trug ihnen auf:
   Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,
alles ist bereit.
Kommt zur Hochzeit!
Sie aber kümmerten sich nicht darum,
sondern der eine ging auf seinen Acker,
   der andere in seinen Laden,
wieder andere fielen über seine Diener her,
   misshandelten sie
   und brachten sie um.
Da wurde der König zornig;
er schickte sein Heer,
ließ die Mörder töten
   und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
Dann sagte er zu seinen Dienern:
   Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
   aber die Gäste waren nicht würdig.
Geht also an die Kreuzungen der Straßen
und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
   und holten alle zusammen, die sie trafen,
Böse und Gute,
und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

  

Gedanken:

 

Hand aufs Herz! Uns geht es auch oft so wie den Eingeladenen im Evangelium.
Ein Einladungsschreiben liegt im Briefkasten oder eine Einladung wird mündlich ausgesprochen. Und dann wird der Terminkalender aufgeschlagen. Kann ich da überhaupt? Und oft kommen dann die Gedanken: Das passt mir jetzt gerade überhaupt nicht. Da möchte ich nicht hingehen, denn ich habe Wichtigeres zu tun.
Es gibt tausend Gründe, die ich anführen könnte, eine Einladung nicht anzunehmen. Und manche kann man sich ja auch ausdenken.

Eine Einladung nicht anzunehmen drückt etwas aus über meine Beziehung zu dem, der einlädt. Wie wichtig ist mir der Einladende überhaupt und wie wichtig ist für mich der Einladungsgrund?

Es gibt Einladungen, die muss ich nicht unbedingt annehmen.

Da darf ich auch sagen, dass sie für mich nicht wichtig ist.
Aber es gibt Einladungen die sind wichtig, weil sie in einer Beziehung ihren Grund haben. Und wenn ich nicht daran teilnehme, dann ist der Moment vorüber und die Beziehung ist gestört oder sogar zerstört.
Wenn ein guter Freund zum Geburtstag einlädt, vielleicht sogar zu einem runden Geburtstag, dann ist es selbstverständlich, dass ich hingehe. Das bin ich dem Freund schuldig.

Im Evangelium, da lädt ein König ein zur Hochzeit seines Sohnes. Die eingeladenen Gäste aber wollen nicht kommen. Sie haben etwas anderes vor. Das ist ein Affront gegen den König.
Der König im Gleichnis steht natürlich für Gott. Der Sohn ist Jesus. Und eingeladen wird ins Himmelreich, das Reich Gottes. Und auch Jesus erlebt, dass gerade die religiösen Führer seine Einladung ablehnen. Diejenigen, die eigentlich berufen sind, die wollen nicht, ja sie lehnen Jesus sogar ab und töten ihn am Ende.
Aber die Hochzeit ist ausgerichtet und sie soll stattfinden – das Reich Gottes soll kommen, denn Gott will es so. Und so geht Jesus zu denen am Straßenrand, zu den Bettlern und denen, die am Rande stehen. Und sie kommen, denn sie erwarten etwas von Gott und sind bereit, sich auf den Weg zu machen.

Gott lädt auch uns ein, mitzumachen beim Reich Gottes, eine Ahnung des Himmels in unserem Leben aufstrahlen zu lassen in der Nachfolge Jesu.

„Unser Leben sei ein Fest!“ singen wir in einem Lied. Auf dieses Fest muss ich mich einlassen. „Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen.“
Das braucht meine konkrete Antwort, mein Engagement.

 

Das Gleichnis Jesus macht deutlich: Das Fest wird stattfinden, auf jeden Fall! Gott hat dazu eingeladen. Eingeladen zu werden heißt ja auch, dass der Einladende mich wertschätzt, mich für würdig erachtet, am Fest teilzunehmen. Gott lädt uns ein in sein Reich, weil er uns liebt. Er möchte, dass wir zum Leben in Fülle finden.
Sollten wir uns diese Chance entgehen lassen?

 

Fürbitten

Gott hat uns das Leben geschenkt.
Er hat in uns auch all das angelegt,
was wir brauchen, um aus unserem Leben ein Fest zu machen

und unser Lebensziel zu verwirklichen.
Ihn lasst uns bitten:

Für eine Kirche, die die Chance zur Verkündigung deiner Botschaft
in den uns heute gegebenen Lebensumständen nicht verpasst.

 

Für das große Anliegen der Einheit der christlichen Kirchen,
die sich auch in der Sehnsucht nach eucharistischer Mahlgemeinschaft ausdrückt.

 

Für eine Gesellschaft, die sich im Bewusstsein
der uns in unserem Land geschenkten demokratischen Werte
für das Wohl der Gemeinschaft entscheidet.

 

Für alle, die unter den Lebensumständen und Folgen dieser Pandemie
leiden und sich nach unbeschwerter sozialer Nähe sehnen.

 

Für unsere Verstorbenen,

die in der Hoffnung auf das himmlische Hochzeitsmahl gelebt haben.

 

Denn der Glaube an dich, den dreieinen Gott,
eröffnet einen Horizont,
der rein menschlich unvorstellbar und unmöglich erscheint.
Gerade darin liegt seine Kraft.
Dafür rühmen wir deine Herrlichkeit und danken dir für alles,
was du uns schenkst, heute und allezeit. - Amen.

 

> 27. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:

Mt 21,33-44

Jesus sprach zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:
Hört noch ein anderes Gleichnis:
Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an,
zog ringsherum einen Zaun,
hob eine Kelter aus und baute einen Turm.
Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer
und reiste in ein anderes Land.
Als nun die Erntezeit kam,
schickte er seine Knechte zu den Winzern,
um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.
Die Winzer aber packten seine Knechte;
den einen prügelten sie,
den andern brachten sie um,
einen dritten steinigten sie.
Darauf schickte er andere Knechte,
mehr als das erste Mal;
mit ihnen machten sie es genauso.
Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen;
denn er dachte:
Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander:
Das ist der Erbe.
Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.
Und sie packten ihn,
warfen ihn aus dem Weinberg hinaus
und brachten ihn um.
Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt:
Was wird er mit solchen Winzern tun?
Sie sagten zu ihm:
Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten
und den Weinberg an andere Winzer verpachten,
die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
Und Jesus sagte zu ihnen:
Habt ihr nie in der Schrift gelesen:
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
er ist zum Eckstein geworden;
das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder?
Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen;
auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.
Darum sage ich euch:
Das Reich Gottes wird euch weggenommen
und einem Volk gegeben werden,
das die erwarteten Früchte bringt.

 

 

 

Gedanken

 

Als Jesus im Gleichnis des heutigen Evangeliums vom Gutsbesitzer er­zählte, der einen Weinberg anlegte, da dachten seine Zuhörer ganz be­stimmt an das Lied vom Weinberg, das wir ebenfalls heute in der alttesta­mentlichen Lesung aus dem Buch Jesaja gehört haben. Im meist steinigen Bergland Palästinas bedeutete es viel Mühe und Arbeit, einen Weinberg anzulegen. Und dann musste er gehegt und gepflegt und mit einer Mauer oder einem festen Zaun vor wilden Tieren oder auch Dieben geschützt werden. Ein Turm zur Bewachung des Weinbergs wurde gebaut und war während der Erntezeit immer besetzt, um die Ernte vor Diebstahl zu sichern.

Soviel Mühe wie der Weingärtner mit seinem Weinberg wendete auch Gott auf, seit er seinen Weinstock in Ägypten ausgehoben hatte, um ihn im ver­heißenen Land einzupflanzen. Der Weinberg ist so das Symbol der Liebe Gottes zu seinem Volk. Das, was im Weinberg gepflanzt ist, das auserwählte Volk, ist nicht nur Gottes rechtmäßiges Eigentum, sondern sein Herzensanliegen, ja seine große Liebe.

Umso schwerer wiegt da das Verhalten der Weinbergpächter, die im Gleichnis Jesu im Mittelpunkt stehen. Sie wollen den Besitzer des Wein­berges nicht nur um den Ertrag seines Eigentums bringen, sie wollen sich den Weinberg selbst aneignen. Als die Knechte kommen, um den Anteil des Besitzers am Ernteertrag zu holen, werden sie verprügelt, vertrieben, sogar umgebracht. Als der Weinbergsbesitzer schließlich seinen Sohn schickt, schrecken sie nicht davor zurück, den Tod des Sohnes zu be­schließen, um den Weinberg an sich zu reißen.

Es ist klar, wen Jesus meint, wenn er von den Knechten spricht. Immer wieder, so berichtet das Erste Testament, sandte Gott die Propheten in seinen geliebten Weinberg, das Volk Israel. Sie sollten dem Volk – und vor allem seinen Führern – immer wieder den Willen Gottes kundtun. Doch immer wieder wurden sie mis­sachtet, verleumdet, fortgejagt oder gar getötet. Und immer wieder waren es die Führer des Volkes, welche die Botschaft der Propheten nicht hören wollten. Immer wieder waren es die Führer des Volkes, die Könige und die Tempelpriesterschaft, die an ihrem Vorteil und ihrer Macht klebten. Sie konnten und wollten die Botschaft der Propheten, die Wahrheit, die sie verkündeten nicht hören.

Auch heute noch ist das so: die Wahrheit ist nicht für alle und immer gut zu hören. Auch heute noch treten Propheten auf, die Wahrheiten beim Na­men nennen und dafür von den Mächtigen angegriffen, gemobbt, verbannt oder gar getötet werden. Wir brauchen nur an die vielen Opfer des Nationalsozia­lismus denken, an Menschen wie Dietrich Bonhoeffer, Maximilian Kolbe und die vielen anderen. Sie wurden geschlagen und getötet.
In der Ukraine erleben wir es heute: Menschen, die für die Freiheit eintreten, werden verhaftet, verprügelt du Schlimmeres. Und auch in unseren Breiten sind es oft die Menschen, die den Finger in die Wunden legen, die fortgejagt werden.

Jesus, der Sohn, den der Weinbergsbesitzer zu den Pächtern schickt, um seinen Ertrag einzufordern, steht in der gleichen Situation. Er wird ange­griffen und denunziert, ja man fasst den Beschluss, ihn aus dem Weg zu räumen und ihn zu töten. Seine Wahrheit, seine Botschaft von Gott, den er seinen Vater nennt, ist nicht für alle annehmbar.

Doch Jesus macht im heutigen Evangelium unmissverständlich klar: wer die Botschaft des Sohnes nicht annimmt, dem wird das Reich Gottes ge­nommen werden. Er, Jesus, ist der Eckstein. Wer ihn ablehnt, der wird an ihm zerbrechen.

Auch wenn Jesus das Gleichnis den religiösen Führern seiner Zeit er­zählt, um ihnen den Spiegel vorzuhalten, so ist es doch heute immer noch für uns alle von Bedeutung.

Ein Gebet aus Frankreich drückt es, positiv gewendet, folgendermaßen aus:

Wer versucht zu lieben, wo man hasst,

zu verzeihen, wo man beleidigt

und zu verbinden, wo Streit ist,

wer die Wahrheit sagt, wo Irrtum ist,

wer Glauben bringt, wo Zweifel droht,

Hoffnung weckt, wo Verzweiflung wohnt,

ein Licht entzündet und Freude bringt,

wo Finsternis und Kum­mer ist,

der gibt dem Herrn des Weinbergs zurück, was sein Anteil ist.

 

Jeder Christ ist an seinem Platz Pächter im Weinberg des Vaters,

jeder, der getauft ist, steht in der Nachfolge Jesu, des Ecksteins.

Sich zu ihm zu bekennen in Wort und Tat ist Aufgabe eines jeden Christen.

Das bedeutet es, dem Liebesangebot des Vaters zu antworten.

 

 

> 26. Sonntag im Jahreskreis – A – 2020

Evangelium: Mt 21,28-32


In jener Zeit
   sprach Jesus zu den Hohepriestern
   und den Ältesten des Volkes:
Was meint ihr?
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Er ging zum ersten
   und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!
Er antwortete: Ich will nicht.
   Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
Da wandte er sich an den zweiten
   und sagte zu ihm dasselbe.
Dieser antwortete: Ja, Herr –
   und ging nicht hin.
Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?
Sie antworteten: Der erste.
Da sagte Jesus zu ihnen:
   Amen, ich sage euch:
Die Zöllner und die Dirnen
   gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
Denn Johannes ist zu euch gekommen
   auf dem Weg der Gerechtigkeit
und ihr habt ihm nicht geglaubt;
aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen
und doch habt ihr nicht bereut
   und ihm nicht geglaubt.

 

Gedanken

 

„Träumen geht mühelos,
denken ist leicht,
handeln schon schwerer.“

So hat es einmal der Pfarrer und Poet Kurt Marti formuliert.
 

Ein Beispiel präsentiert uns im heutigen Evangelium Jesus in dem Gleichnis von den beiden Söhnen.

Als der Vater möchte, dass sie in den Weinberg gehen, um dort für ihn zu arbeiten sagt der eine: “Ich will nicht!“ und geht dann doch. Der andere schließlich sagt: „Ja!“, geht aber nicht.

Ich glaube, Ähnliches kennt jeder, der Kinder hat.

Der eine verspricht vollmundig: „Ja, ich mache das!“ und vergisst es aus irgendwelchen Gründen oder hat nur „Ja“ gesagt um seine Ruhe zu haben. Der andere ist unwillig, sagt nein und hat nachher doch ein schlechtes Gewissen.

Für Jesus geht es nicht so sehr um „Ja“oder „Nein“ sagen, um Reden oder Lehrsätze, die einfach nur wiederholt werden. Für Jesus geht es um Taten, um Glaube, der Fleisch wird im eigenen Tun.

Für mich ist interessant, wem Jesus dieses Gleichnis erzählt. Er richtet es an die Hohenpriester und an die Ältesten des Volkes. Er richtet seine Worte an die religiösen Führer, die sich selbst oft als die Frommen, die Gerechten, die Chassidim bezeichnen. Sie sind die Schriftkundigen, die Schriftgelehrten. Das sind für ihn die Söhne, die „Ja!“ sagen, aber nichts tun.

Vielleicht ist es genau deshalb, dass die Skandale um unsere Kirche, der Missbrauch von Kindern, der Umgang mit Geld, der Umgang mit manchen Randgruppen so heftig auf die Kirche selbst zurückfallen und viele Menschen ihr den Rücken zukehren. Hohe moralische Anforderungen – das „Ja“-sagen – stimmen mit dem Tun nicht überein.

Die Dirnen und Zöllner, also die anerkannten Sünder, das sind in Jesu Gleichnis diejenigen, die etwas von Jesus und seiner Botschaft erwarten und seine Botschaft annehmen. Das spiegelt sich im Kreis der Jesusnachfolger wider

Im Jüngerkreis Jesu gibt es den Zöllner Matthäus, Simon, den Zeloten (heute würden wir sagen den Messerattentäter), die Dirne, den Bettler oder Betrüger, wie den Zachäus und andere. Von denen sagten die sogenannten Frommen, sie seien nicht nach Gottes Willen, weil sie die religiösen Regeln und Vorschriften nicht einhalten. Sie gelten als die Nein-Sager, die in der frommen Gemeinde keinen Platz haben.

 

Jesus aber hat diese Menschen angenommen, weil sie ihm geglaubt haben und umgekehrt sind. Er ist auf diese Menschen zugegangen, weil sie für ihn Kinder Gottes, seines himmlischen Vaters waren. Und von denen, die er angesprochen hat, haben gerade sie sein Wort aufgenommen und auf seine Botschaft hin ihr Leben geändert. In ihrem Leben ist die Vaterunser-Bitte Fleisch geworden: „Dein Wille geschehe.“

 

Das ist für Jesus das Entscheidende: der Wille Gottes, seine Botschaft muss Fleisch werden, das heißt sich im Leben, im konkreten Tun verwirklichen.

 

Gesetze und Regeln können wichtig sein. Sie sind aber nur solange wichtig, wie sie für den Menschen da sind und solange sie nicht der christlichen Nächstenliebe widersprechen. Eine vermutlich japanische Legende erzählt:

 

Auf ihrer Wanderschaft kamen zwei Zen-Mönche an einen Flussübergang. Am Ufer stand ein wunderschönes junges Mädchen in einem Seidenkimono. Es hatte scheinbar Angst, den Fluss zu durchqueren, denn es hatte heftig geregnet und die Strömung war sehr stark und reißend geworden. Der eine beachtete die Mönchsvorschriften und schaute schnell woanders hin. Der andere hingegen, ging ohne zu zögern zu dem Mädchen hin und nahm es auf die Arme. Dann trug er sie durch das Wasser.
Am anderen Ufer setzte er das Mädchen behutsam ab, und die beiden Mönche gingen schweigend weiter.
Eine ganze Zeit verging, eine viertel Stunde, eine halbe, eine ganze. Da platzte es aus dem Gesetzestreuen heraus: »Was ist eigentlich in dich gefahren! Du hast gleich gegen mehrere Mönchsregeln verstoßen. Wie konntest du dieses hübsche Mädchen überhaupt beachten, geschweige denn sie berühren und ans andere Ufer tragen?«

Der andere erwiderte ruhig und gelassen: »Ich habe sie am Flussufer zurückgelassen. Trägst du sie immer noch?« (nach: Marco Aldinger, Geschichten für die kleine Erleuchtung. Das Buch zur Bewusstseinserheiterung. Herder Spektrum, Freiburg Basel Wien 2002.)

 

Reden, Glaube und Tun, sie sollten bei einem Christen übereinstimmen und getragen sein von der Liebe, die uns Jesus vorgelebt hat. Da wir aber auch Menschen sind und Gott mit unserer menschlichen Schwachheit rechnet gilt von ihm aus: umkehren ist immer möglich.

 

 

Fürbitten:

 

Wir sollen uns bemühen,
die anderen wenigstens so wertzuschätzen wie uns selbst,
rät uns der Apostel Paulus.
Wir achten auf das eigene Wohl
und vor allem auch auf das der anderen

und bitten Jesus Christus, den Retter der Welt:

 

Für die Staaten der Erde und ihre Mächtigen;
für die Vereinten Nationen, in denen die Völker der Welt
seit 75 Jahren nach Frieden und Verständigung suchen.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr

 

Für alle, die unter Einschränkungen „wegen Corona“ leiden müssen –
für alte Menschen, die sich ohne Besuch eingesperrt fühlen,
für Familien, die getrennt sind.
Für die Menschen, die sich und andere schützen –
auch wenn manche das überflüssig finden oder lästig und ärgerlich.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr 

 

Wir beten für unsere Bischöfe und alle,
die für die katholische Kirche in Deutschland verantwortlich waren und sind.
Und für den Synodalen Weg auf der Suche nach neuen Wegen, den Glauben heute zu leben.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr 

 

Für die vielen jungen Leute und für alle,
die am Freitag weltweit für den Stopp der Klima-Katastrophe demonstriert haben.
Für alle, die auch im Alltag an der Bewahrung der Schöpfung mitarbeiten
und ihren Lebensstil angemessen verändern.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr 

 

Wir beten für unsere Partnerkirche in Bolivien
und für alle, die sich dort für mehr Gerechtigkeit engagieren,
Bildung für alle möglich machen,
neue Wälder pflanzen und ihr Land in eine gute Zukunft führen wollen.
Und für die vielen, die hier bei uns die Partnerschaft und den Austausch mit Bolivien aktiv leben.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr

 

Wir beten für die elf Männer,
die am Samstag und Sonntag das Sakrament der Weihe empfangen
und sich als Priester oder Diakone in den Dienst der Kirche nehmen lassen.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr
Jesus Christus, unser Bruder und Herr

 

Wir beten für alle Verstorbenen, dass sie ihre Heimat gefunden haben in deinem Reich.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr

 

Herr und Bruder Jesus Christus,
du hast dein eigenes Leben eingesetzt und so das Leben der Menschheit gerettet;
du stehst auch heute mit uns an der Seite aller Menschen,
die bedroht sind und in Not und Angst.
Wir dürfen mit dir gehen
und versuchen, für andere da zu sein.
Wir loben dich und danken dir –

heute und morgen und bis in deine Ewigkeit. Amen

 

 

> 25. Sonntag im Jahreskreis

25. Sonntag im Jahreskreis – A

 

Evangelium  Mt 20,1-16

 

In jener Zeit
   erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
   ist es wie mit einem Gutsbesitzer,
   der früh am Morgen hinausging,
   um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag
und schickte sie in seinen Weinberg.
Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus
   und sah andere auf dem Markt stehen,
   die keine Arbeit hatten.
Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Ich werde euch geben, was recht ist.
Und sie gingen.
Um die sechste und um die neunte Stunde
   ging der Gutsherr wieder hinaus
   und machte es ebenso.
Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging,
   traf er wieder einige, die dort standen.
Er sagte zu ihnen:
   Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?
Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben.
Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Als es nun Abend geworden war,
   sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:
   Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus,
angefangen bei den Letzten,
   bis hin zu den Ersten!
Da kamen die Männer,
   die er um die elfte Stunde angeworben hatte,
und jeder erhielt einen Denár.
Als dann die Ersten kamen,
   glaubten sie, mehr zu bekommen.
Aber auch sie erhielten einen Denár.
Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn
und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet
   und du hast sie uns gleichgestellt.
Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.
Da erwiderte er einem von ihnen:
   Freund, dir geschieht kein Unrecht.
Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart?
Nimm dein Geld und geh!
Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.
Darf ich mit dem, was mir gehört,
   nicht tun, was ich will?
Oder ist dein Auge böse,
   weil ich gut bin?
So werden die Letzten Erste sein
und die Ersten Letzte.

 

 

Impuls

 

Was sagen Sie zu diesem Gleichnis Jesu?

Es klingt, je länger wir es hören, immer befremdlicher und fordert am Ende zum Widerspruch heraus. Jedenfalls wenn wir wirtschaftliche Maßstäbe anlegen.
Wie kann das sein, dass einer, der nur eine Stunde gearbeitet hat, den gleichen Lohn bekommt, wie einer, der den ganzen Tag geschuftet hat? Das ist doch in höchstem Maße ungerecht! Man kann förmlich den Aufschrei der Gewerkschaften hören. Würde in der Wirtschaft so entlohnt, dann würde am Ende jeder nur noch eine Stunde arbeiten.

Wenn wir aber genau hinschauen, dann geht es Jesus nicht um leistungsgerechte Lohnzahlung oder überhaupt gerechten Lohn. Es geht um das Himmelreich, um das Reich Gottes. Es geht um die Welt, wie sie nach dem Willen Gottes sein soll.

 

So beginnt jedenfalls das heutige Evangelium: „Mit dem Reich Gottes ist es wie …“

Im Alten Testament war der Weinberg ein Bild für die von Gott selbst liebevoll angelegte und gepflegte Pflanzung Gottes, für sein Volk. Nachzulesen ist dies im Weinbergslied des Jesaja, im fünften Kapitel des Jesajabuches.

Das wussten auch die Menschen, die Jesu Gleichnis hörten.

Und der Herr des Weinbergs, der die Arbeiter ruft, das ist Gott, der Menschen dazu braucht, seinen Traum vom Reich Gottes mit zu verwirklichen. Gott braucht Arbeiter, die seinen Traum von der Welt Wirklichkeit werden lassen. Er braucht Menschen, die mit ihrem Leben in die Nachfolge Jesu eintreten.

Die Arbeiter in Jesu Gleichnis stehen am Weg und warten auf den Ruf eines Arbeitgebers. Und der ruft immer wieder, den Einen früher, den Anderen später.

Schauen wir auf das Leben der Heiligen, so können wir entdecken, dass bei einigen der Ruf Gottes schon früh im Leben seine Wirkung entfaltete. Elisabeth von Thüringen war eine Frau, der noch sehr jung war, als Gottes Ruf sie traf.
Augustinus dagegen ist viele Irrwege gegangen, bis er seinen Weg mit Gott gefunden hatte. Er war bereits 32 Jahre alt, als er sein Bekehrungserlebnis, seinen Ruf in den Weinberg Gottes, hatte.
Wichtig ist, dass wir den Ruf Gottes hören und ihm antworten mit unserem Leben.
Und jedem von denen, die dem Ruf folgen macht Gott die Zusage, dass er am Ende genug zum Leben für den Tag haben wird. Und das unabhängig davon, ob er den Ruf des Herrn früher oder später gehört hat.

 

Letztlich geht es Jesus darum, dass wir auf dem Weg unseres Lebens Gott finden, seinen Ruf hören und darauf antworten.


Im Reich Gottes gibt es keinen Ersten oder Letzten, keinen, der mehr oder weniger Wert hat, keinen, der mehr oder weniger erhält.

Gott verspricht einem jeden, der seinen Ruf beantwortet das Leben – und zwar das Leben in Fülle. Das, was Gott gibt ist eben kein Lohn der Leistung und der eigenen Anstrengung. Was Gott gibt, das ist der Lohn der Liebe.

 

Fürbitten

Jesus Christus erzählt von Gottes Gnade und Gerechtigkeit,
die allen gilt, statt nach Leistung zu fragen
Im Vertrauen auf sein Wort
beten wir für alle Menschen,

die auf Hilfe und Gerechtigkeit hoffen.

 

Wir beten für Tausende Flüchtlinge aus dem Lager Moria auf Lesbos,
die ohne Nahrung und Obdach dastehen
und ihr eigenes Leben und das ihrer Familien zu schützen suchen.
Und für alle, die darauf hoffen, in Europa Zuflucht zu finden.
Christus unser Leben:

 

Für die medizinischen Fachkräfte,
die unter extremen Bedingungen den Kranken und Verletzten auf Lesbos helfen;
für die Journalisten und Kameraleute,
die täglich Nachrichten und Bilder von der Not der Menschen übermitteln,
ohne selbst helfen zu können.
Christus unser Leben:

 

Wir beten für die Bürgerinnen und Bürger in Belarus,
die seit Wochen friedlich für ein Leben in Sicherheit und Freiheit demonstrieren;
und für alle, die politischen Einfluss auf die Mächtigen in Minsk haben
und zu einem Wandel beitragen können.
Christus unser Leben:

 

Wir beten für die Menschen, die von den Waldbränden in Kalifornien,
in Syrien und am Amazonas bedroht werden;
für alle, die Hab und Gut oder sogar ihre Angehörigen im Feuer verloren haben;
und für die Helferinnen und Helfer,
die gegen die Ausbreitung der Flammen kämpfen.
Christus unser Leben:

 

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Polizei,

die mit Toleranz und Respekt ihren Dienst für Recht und Ordnung versehen;
für alle in Polizei und Gesellschaft,
die jeder rechtsextremen Gewalt entgegentreten –
ob sie in Bildern, Worten oder Taten auftritt.
Christus unser Leben:

 

Wir beten für alle Verstorbenen,
die von dir beschenkt werden mit dem Leben in Fülle,
dem ewigen Leben in deiner Gegenwart.
Christus unser Leben:

 

Dankbar für all das Gute und den Reichtum der Erde,
die uns zuteilwerden,
öffnen wir unsere Herzen auch für die Menschen, denen es schlecht geht;
begleite uns auf diesem Weg, unser Bruder und Herr Jesus Christus –
in diesen Tagen und bis in deine Ewigkeit. Amen.

> 24. Sonntag im Jahreskreis

24. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A

Evangelium: Mt 18, 21 - 35

In jener Zeit
trat Petrus zu Jesus
und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben,
   wenn er gegen mich sündigt?
Bis zu siebenmal?
Jesus sagte zu ihm:
   Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal,
   sondern bis zu siebzigmal siebenmal.
Mit dem Himmelreich
   ist es deshalb wie mit einem König,
   der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.
Als er nun mit der Abrechnung begann,
   brachte man einen zu ihm,
   der ihm zehntausend Talente schuldig war.
Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte,
   befahl der Herr,
   ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß,
   zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie
und bat: Hab Geduld mit mir!
Ich werde dir alles zurückzahlen.
Der Herr des Knechtes hatte Mitleid,
ließ ihn gehen
und schenkte ihm die Schuld.
Als nun der Knecht hinausging,
   traf er einen Mitknecht,
   der ihm hundert Denáre schuldig war.
Er packte ihn,
würgte ihn
und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!
Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder
und flehte: Hab Geduld mit mir!
Ich werde es dir zurückzahlen.
Er aber wollte nicht,
sondern ging weg
   und ließ ihn ins Gefängnis werfen,
   bis er die Schuld bezahlt habe.
Als die Mitknechte das sahen,
   waren sie sehr betrübt;
sie gingen zu ihrem Herrn
   und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da ließ ihn sein Herr rufen
und sagte zu ihm: Du elender Knecht!
Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen,
   weil du mich angefleht hast.
Hättest nicht auch du
   mit deinem Mitknecht
   Erbarmen haben müssen,
   so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern,
   bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln,
   wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.

 

Impuls:

 

Bestimmt haben sie schon von Nelson Mandela gehört. Er war einer der Kämpfer gegen das System der Apartheid in Süd-Afrika. Es war das grausame System der Rassentrennung. Schwarz und Weiß waren strikt voneinander getrennt, durften sich nicht vermischen. Es gab Kirchen, Schulen, Bürgersteige, ja sogar Parkbänke nur für Weiße oder nur für Schwarze. Weiße Menschen waren die Herren, die Schwarzen wurden behandelt, als seien sie keine oder doch minderwertige Menschen.
Nelson Mandela versuchte gegen dieses System vorzugehen, zunächst gewaltlos, später mit dem Aufruf zum bewaffneten Kampf, und landete natürlich im Gefängnis. Von 1963 bis 1990 war er inhaftiert. Als die Apartheid schließlich auf Druck von innen und außen von Präsident Frederick de Klerk beendet wurde, wurde auch die Haft Nelson Mandelas aufgehoben.
Von ihm wird folgender Ausspruch berichtet:

„Als ich aus der Zelle durch die Tür in Richtung Freiheit ging, wusste ich, dass ich meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen musste, oder ich würde mein Leben lang gefangen bleiben“, schrieb Nelson Mandela in seiner Autobiografie.
Es folgte eine Zeit der Versöhnung zwischen den getrennten Bevölkerungsteilen und der Aufarbeitung der grausamen Geschehnisse der Rassentrennung. Schließlich wurde Nelson Mandela der erste schwarze Präsident Südafrikas.

Die Geschichte zeigt: Versöhnung ist möglich – wenn auch schwierig und manchmal schmerzhaft.
Und sie zeigt: Vergebung ist nichts für Schwächlinge – echte Vergebung ist Zeichen von großer innerer Stärke.

Im heutigen Evangelium fragt Petrus nach der Vergebung: „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt?
Bis zu sieben Mal?“
Sie haben die Antwort Jesu gehört: „Bis zu siebzig mal siebenmal.“

Jesus überhöht und treibt auf die Spitze: die Zahl sieben ist allein schon die Zahl der Vollkommenheit und wenn Jesus sagt siebzig mal siebenmal, dann sagt er eigentlich: immer soll ein Christ vergeben.

Den Grund für diese unendliche Vergebungsbereitschaft macht Jesus mit dem Gleichnis vom König klar. Der König, der seinem Knecht vergibt, steht natürlich für Gott: Gott vergibt in einem Maß, das keine Grenzen kennt. Dahinter steht seine Liebe zu seinen Geschöpfen. Und diese Liebe soll auch uns dazu führen zu vergeben – genauso grenzenlos und in überbordender Fülle.

Aber das ist meist schwer! Stellen sie sich Konflikte und Streitigkeiten vor in der eigenen Umgebung. Eine Beleidigung, eine Übervorteilung, eine Ungerechtigkeit oder Ähnliches.

Es geht dann oft nur noch darum, wer Recht hat, wer im Recht ist und wie erlittenes Unrecht wieder gut gemacht werden kann. Und es geht darum, wer macht den ersten Schritt, um aus diesem Kreislauf herauszutreten.

Buddha sagte: "An Zorn festhalten ist wie Gift trinken und glauben, dass der andere daran stirbt" - und genau diese Aussage trifft den Kern der Sache ganz genau - wenn wir auf jemand wütend sind und nicht vergeben können, dann schaden wir damit nur uns selbst und sonst niemandem.

Wie oft sind wir so wütend, dass wir glauben, der andere verdient unsere Vergebung nicht.
Ja, das mag sein, aber wir selbst haben sie verdient.
Manchmal glauben wir, dem anderen zu vergeben sei ein Zeichen von Schwäche und Billigung des Unrechts.
Aber mit der Versöhnung sorgen wir lediglich dafür, dass wir selbst wieder frei sein können. Wir geben die Verletzungen, das Leid aus unseren Herzen ab – können es von außen betrachten und hören auf, uns selbst damit immer weiter zu zerstören.

„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ beten wir im Vaterunser.

„Groll und Zorn, auch diese sind Gräuel
und ein sündiger Mann hält an ihnen fest.
Wer sich rächt, erfährt Rache vom Herrn;
seine Sünden behält er gewiss im Gedächtnis.
Vergib deinem Nächsten das Unrecht,
   dann werden dir, wenn du bittest, deine Sünden vergeben!“

Letztendlich ist es nicht Gott, der uns bestraft, wenn wir selbst keine Versöhnungsbereitschaft zeigen. Wir selbst sind es, die uns schaden durch unsere Unversöhnlichkeit. Das Leid, die Verletzungen bleiben in unseren Herzen und zerstören uns.
Wenn wir die überbordende Versöhnungsbereitschaft Gottes annehmen und sie an andere weitergeben, dann ist das gut für unser eigenes Heil.
Amen.

 

 

Fürbitten:

 

Jesus lädt uns ein, Schuld zu vergeben

und Vergebung von Gott und den Menschen zu empfangen.

Weil wir bei Gott so gut aufgehoben sind,

bitten wir um sein Erbarmen auch für die Welt, in der wir leben.

Wir beten für alle Menschen,
die große oder kleine Schuld auf sich geladen haben;
und für die, die ihnen vergeben und einen neuen Anfang möglich machen.
Barmherziger Gott:

 

Für die über zwölftausend Menschen
aus dem Lager Moría auf Lesbos,
die nach der Feuerkatastrophe obdachlos sind und alles verloren haben.
Und für alle, die ihnen helfen wollen.
Barmherziger Gott:

 

Wir beten für die Frauen und Männer in Belarus,
die Freiheit für ihr Land fordern
und ihre persönliche Freiheit und ihr Leben dafür riskieren.
Barmherziger Gott:

 

Wir beten für alle, die an der Corona-Pandemie leiden –
weil sie infiziert oder krank sind;
weil sie Ansteckung befürchten und andere zu leichtfertig finden;
weil sie wirtschaftliche und finanzielle Einbußen erleiden oder die Arbeit verlieren.

 

Wir beten heute besonders auch für Dr. Oko und die Menschen in seinem Heimatland Nigeria. Für die Zukunft des Priesterseminars in Enugu
für die Zukunft der Diözese Awgu
und für die Menschen in Nigeria.
Barmherziger Gott:

 

Für alle Verstorbenen unserer Pfarrgemeinde und darüber hinaus.
Schenke ihnen die Erfüllung all ihrer Hoffnungen.
Barmherziger Gott:

 

Guter Barmherziger Gott,

weil du Gnade und Liebe bist, hoffen wir auf wirkliches Leben

für die ganze Welt und für uns selbst.

Wir danken dir und loben dich

heute und morgen und bis in deine Ewigkeit. Amen

 

> 23. Sonntag im Jahreskreis

23. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A

Lesung: Mt 18, 15 – 20

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15 Wenn dein Bruder sündigt,

  dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht.
Hört er auf dich,
  so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.

16 Hört er aber nicht auf dich,
  dann nimm zwei oder drei Männer mit,

denn jede Sache
  muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen

  entschieden werden.

17 Hört er auch auf sie nicht,
  dann sag es der Gemeinde.
Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht,
  dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
18 Amen, ich sage euch:
Alles, was ihr auf Erden binden werdet,
  das wird auch im Himmel gebunden sein,
und alles, was ihr auf Erden lösen werdet,
  das wird auch im Himmel gelöst sein.
19 Weiter sage ich euch:
Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten,
  werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
  da bin ich mitten unter ihnen.

 

Impuls

In unserer Tagespresse, den Zeitungen, dem Fernsehen oder dem Internet, hören und lesen wir in den vergangenen Wochen immer häufiger von Gewalt bei Protesten und Demos. Sei es in Berlin, wo vor gut einer Woche eine Anti-Corona-Demo eskalierte und von rechten Radikalen benutzt wurde, um ihre Sache in die Öffentlichkeit zu bringen. Genauso in Amerika, wo der Wahlkampf ums Weiße Haus immer wieder in Gewalt und Grausamkeit mündet.

 

Vor einiger Zeit ging durch die Medien, dass in Wuppertal Jugendliche, bekleidet mit roten Warnwesten, durch die Innenstadt patroulierten. Auf den Warnwesten war zu lesen: Sharia-Polizei. Sie sprachen junge Leute an, um sie auf ihren Verhaltenskodex aufmerksam zu machen: Kein Alkohol, keine Drogen, keine Discos mit Tanz, keine Musikkonzerte und sie luden zu Predigten ein. Sie versuchten sogar Jugendliche daran zu hindern ihren Wochenendvergnügungen nachzugehen und drangsalierten oder verfolgten gar solche, die ihnen keine Beachtung schenken wollten.
Wir möchten oftmals gerne andere von unserer eigenen Meinung überzeugen. Wir versuchen das manchmal auch mit Druck. Unsere Ansichten sind schließlich die richtigen.

 

Zunächst einmal, könnte man sagen, ist das genau das, was Jesus im heutigen Evangelium als Regel anbietet, wenn jemand sündigt:
Erst selbst hingehen und auf den Fehler hinweisen, dann mit einem Zeugen, dann die Gemeinde einschalten und wenn der oder die Betreffende nicht hört, sie aus der Gemeinde ausschließen.

 

Aber ich denke, Jesus hat dabei ein ganz anderes Anliegen.

 

Zum ersten: Jesus fordert zunächst einmal nicht die Einhaltung bestimmter Vorschriften.

 

Er weist uns Christen auf unsere Verantwortung hin dem Mitmenschen gegenüber. Wie oft schauen wir verschämt zu Boden, wenn wir sehen, dass Menschen etwas Falsches tun, anderen oder einfach nur sich selbst Schaden zufügen. Denken wir an das Problem des Mobbing.

 

Da handeln wir oft nach dem Motto: die Anderen sind doch für sich selbst verantwortlich, denn schließlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Und ich möchte doch schließlich nicht selbst in Schwierigkeiten geraten.
In den Medien wird die mangelnde Zivilcourage und auch die mangelnde Achtsamkeit geschildert, wenn es darum geht, jemandem in Not zu Hilfe zu kommen. Menschen, auch Christen gehen oft vorbei, wenn ihre Hilfe gefragt ist. Und wenn es sich um Konflikte handelt, möchten wir ihnen nur zu gern aus dem Weg gehen. Es geht für Jesus aber darum, dass Menschen, die miteinander leben auch füreinander Verantwortung tragen.

 

Und er weist darauf hin, dass auch die Gemeinschaft eine Verantwortung hat, wenn der Einzelne sich vergeblich bemüht.

 

Aber noch einen Unterschied, einen wesentlichen gibt es zu der selbsternannten Sharia-Polizei: Es geht für Jesus nicht darum, einen Menschen, der gegen die Gemeinschaft handelt zu bestrafen, es geht darum, ihn zurückzugewinnen und zwar in Freiheit und Liebe. Der Apostel Paulus betont das in seinem Brief an die Römer, aus dem wir gerade gehört haben: Es ist die Liebe, die wir einander immer schulden. Zurechtweisung und Kritik muss immer in Liebe und Achtsamkeit vor dem Anderen geschehen. Er soll nicht drangsaliert oder gar mit Gewalt bedroht werden. Und erst wenn er nicht will, dann kann ich mich von ihm lösen, indem ich seine freie Entscheidung achte und respektiere. Und ich kann ihn hineinnehmen in mein liebendes Gebet: denn was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, das werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Wenn wir uns als Einzelne oder in der Gemeinschaft nach Kräften bemüht haben um einen Menschen und er nicht darauf eingeht, dann können wir ihn der Gerechtigkeit und Liebe Gottes anvertrauen. Vielleicht gelingt Gott, was wir nicht vermochten.

 

Jesus gibt uns im heutigen Evangelium so etwas wie Regeln für Krisenmomente an die Hand. Nicht Zwang und Strafe sind die Lösung, nicht Verurteilung und geballte Fäuste, sondern das Gespräch und die achtsame Liebe, die wir uns gegenseitig schulden. Es geht nicht darum, zu verurteilen und zu zwingen, sondern darum den anderen zurück zu gewinnen. Es geht nicht darum, sich zu verhalten wie in der Redewendung, die das gewaltsame Missionieren im Mittelalter und im 16. Jahrhundert kritisiert: „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein.“ Es geht darum, wie Paulus es ausdrückt, die Liebe, die wir einander schulden, weil wir alle Kinder Gottes sind, in unserem Handeln zur Geltung zu bringen.

 

In unserer Welt erleben wir aktuell auf schreckliche Weise immer wieder, wie Gewalt neue Gewalt hervorbringt. Wir brauchen nur auf das Geschehen in der Ukraine zu schauen, auf die furchtbare Gewalt im Nahen Osten und die Gewalt durch Terrororganisationen wie die IS. Aber auch auf die vielen Konflikte und Streitereien in unserer engeren Umgebung, die sich verselbstständigen und immer heftiger werden.

 

Jesu Lebensregeln können helfen aus diesem Kreislauf auszusteigen, dadurch, dass wir den Anderen nicht vernichten oder verurteilen, sondern ihn gewinnen wollen, indem wir ihm den Respekt und die Liebe geben, die wir ihm schulden. Diese Liebe zu leben, das sollten wir immer mehr üben.

 

Amen.

> 22. Sonntag im Jahreskreis

22. Sonntag im Jahreskreis – A – 2020

  

Evangelium: Mt 16,21-27


In jener Zeit
begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären:
   Er müsse nach Jerusalem gehen
und von den Ältesten
   und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden,
getötet
   und am dritten Tag auferweckt werden.
Da nahm ihn Petrus beiseite
   und begann, ihn zurechtzuweisen,
und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr!
Das darf nicht mit dir geschehen!
Jesus aber wandte sich um
und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan!
Ein Ärgernis bist du mir,
denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will,
   sondern was die Menschen wollen.
Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn einer hinter mir hergehen will,
   verleugne er sich selbst,
   nehme sein Kreuz auf sich
   und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will,
   wird es verlieren;
wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,
  wird es finden.
Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt,
   dabei aber sein Leben einbüßt?
Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
Der Menschensohn
   wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen
und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.

 

 Impuls:

 

„Gewinnen“ und „verlieren“ – das sind die Stichworte des heutigen Evangeliums.
Wer von uns gehört schon gerne zu den Verlierern.
Ich glaube wir wären zunächst einmal genau der Meinung des Petrus. Verlieren – ja, sogar das Leben verlieren – das geht doch nicht. Sich sehenden Auges ins Unglück stürzen, das kann nicht der richtige Weg sein!

In unserer Wirklichkeit gehören wir lieber zu den Gewinnern. Karriere und Anerkennung sind wichtige Ziele im Leben. „Hast du was, dann bist du was!“ Und je mehr du hast, desto mehr bist du.
Ich glaube, wir können den Petrus gut nachvollziehen. Es wäre auch unsere spontane Reaktion.
Und außerdem: sein Leben verlieren, um es zu retten? Das ist doch paradox und unsinnig.

Ist es das wirklich?

Wir merken es selbst am eigenen Leib in diesen Zeiten von Corona: um mich selbst und vor allem andere zu schützen, muss ich einiges, das mir lieb und teuer ist loslassen. Ich muss auf manches verzichten – es gewissermaßen gering achten und es verlieren.

Und viele Menschen haben mir erzählt, dieser Verzicht, die Entschleunigung durch die Pandemie habe ihnen neu aufscheinen lassen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben: Solidarität, Gemeinschaft, Zeit, die nicht verplant und besetzt ist.
Um die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens zu gewinnen, ist es manchmal nötig (und letztendlich lohnend) ein Kreuz auf sich zu nehmen, loszulassen oder zu verzichten.

Die Menschen in Weißrussland machen es in diesen Tagen vor: um die Freiheit zu erlangen müssen sie ihre ganze Existenz in die Waagschale werfen. Um das Leben in Freiheit zu gewinnen, müssen sie riskieren, das Leben überhaupt zu verlieren.

Die Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, um Leid und Krieg zu entgehen, die haben es auch erlebt: um das Leben zu gewinnen, muss ich loslassen können, ja oft genug mein ganzes Leben aufs Spiel setzen – manchmal im wörtlichen Sinn.
 

Mit Kindern habe ich einmal ein Experiment gemacht. Ich hatte eine Kiste mit ganz vielen Gegenständen. Ich habe einem Kind einen Gegenstand hingehalten und gesagt: „Nimm ihn dir!“ Dann noch einen – und noch einen und immer so weiter. Die Hände wurden immer voller und nichts Weiteres konnte schließlich mehr genommen werden. Dann hielt ich noch einen Gegenstand hin und sagte: „Was musst du tun, um diesen Gegenstand auch noch zu nehmen?“ Das Kind sagte: „Ich muss etwas von den Dingen in meinen Händen loslassen und weggeben. Dann habe ich die Hände frei für Neues.“  Es ist eine Wahrheit in allen Bereichen unseres Lebens: ich muss meist etwas lassen, um Neues ergreifen zu können. Besonders wenn es um wichtige Dinge, um lebenswichtige Dinge geht. Und manchmal fällt das sehr schwer.

Hätte Jesus auf den Einwand des Petrus gehört, hätte er sein Leben – seinen Traum vom Leben – aufgegeben. Wahrscheinlich wüssten wir heute von ihm nichts mehr. Er aber hat alles für diesen Traum, den Traum Gottes in die Waagschale geworfen – und so ist er für uns zum Versprechen Gottes geworden, das uns die Fülle des Lebens verheißt.

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Fürbitten

 

Jesus Christus verheißt Leben denen, die nicht den eigenen Plänen,
sondern ihm folgen.
So lasst uns beten:

 

Für die Opfer und Betroffenen der Corona-Krise:
Erkrankte, wirtschaftlich Getroffene, Verstorbene und die, die um sie trauern.
Christus, tritt beim Vater für sie ein.

 

Für die Betroffenen der Pandemie weltweit:
Menschen, die in existenzielle Not geraten,
Menschen, die keine wirksame medizinische Hilfe erhalten.
Christus, tritt beim Vater für sie ein.

 

Für alle, die Willkür und Gewalt der Mächtigen erfahren.
Für alle, die für Freiheit und gleiche Rechte aller kämpfen – besonders in Belarus und in Wisconsin.
Christus, tritt beim Vater für sie ein.

 

Für alle, die in Internaten oder Schulen sexuelle Gewalt durch Ordensmitglieder erleiden mussten.
Für alle, die an Schutzbefohlenen schuldig geworden sind und Leben belastet oder zerstört haben.
Christus, tritt beim Vater für sie ein.

 

Für alle, die sich in die Nachfolge Christi stellen.
Für alle, die Wege zum Leben suchen – im Einsatz für andere und auch für sich.
Christus, tritt beim Vater für sie ein.

 

Für alle, die Krieg und Gewalt erleben mussten oder heute erleiden.
Für alle Opfer von Bürgerkrieg und Krieg.
Christus, tritt beim Vater für sie ein.

 

Für alle Verstorbenen unserer Gemeinde. Nimm sie auf in deine Herrlichkeit.
Christus, tritt beim Vater für sie ein.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

> 21. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium Mt 16, 13-20

In jener Zeit,
   als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam,
   fragte er seine Jünger und sprach:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elíja,
wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
   für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete und sprach:
   Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus antwortete und sagte zu ihm:
   Selig bist du, Simon Barjóna;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
   sondern mein Vater im Himmel.
Ich aber sage dir:
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst,
   das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst,
   das wird im Himmel gelöst sein.
Dann befahl er den Jüngern,
   niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

 

Petrus, ein unsicherer Fels ?

 

Eine der markantesten Persönlichkeiten des Neuen Testaments ist der Apostel Petrus. Im Evangelium wird er von Jesus als "der Fels" bezeichnet, auf dem Jesus seine Kirche erbaut. Ihm übergibt Jesus die Gewalt zu binden und zu lösen.

Aber sehr schnell fallen uns auch andere Facetten der Person des Petrus ein, die es zumindest zweifelhaft erscheinen lassen, dass ihm das Attribut "Fels" zugesprochen werden kann.

Er war es, dem Jesus das "weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen!" gesagt hatte, weil er Jesu Weg durch das Leiden nicht annehmen wollte. Er war es, der im Garten Getsemani mit den anderen Jüngern einschlief, während Jesus Todesängste ausstand. Schließlich war er es, der zweifelte, ängstlich war und Jesus sogar verleugnete.

Ist dieser Petrus nicht ein unsicherer Fels, zu unsicher, um darauf die Kirche zu erbauen? Warum geben die Evangelien diesem Petrus einen so wichtigen Rang? Warum kann ihn Jesus als "Fels" bezeichnen und ihn so auch als Vorbild für unseren Glauben hinstellen?

An der Gestalt des Petrus können wir eine Menge über uns selbst und unseren Glauben ablesen. Da ist zum einen der Realismus der Bibel, in der der Realismus Gottes im Hinblick auf den Menschen zum Ausdruck kommt: Gott rechnet mit der Menschlichkeit des Menschen, mit seiner Unvollkommenheit und Schwachheit, auch der des Petrus. Gerade Gott fordert viel von uns Menschen, aber er überfordert niemanden. Auch und gerade mit den Schwachen geht Gott eine Beziehung ein. Er schenkt einen Vertrauensvorschuss in die Stärken, die ein jeder Mensch in sich birgt.

 

Zum anderen: Petrus versagt mehr als einmal, bis hin zum Verrat an Jesus. Aber Petrus kann sein Versagen eingestehen, ja bitterlich weinen über sich und seine Schuld. Er kann - und das ist auch wichtig für uns - umkehren und einen neuen Anfang wagen. Er kann das, weil er auch im Versagen und in der Anfechtung darauf vertraut, dass Gott ihn nicht fallen lässt. Er kann auch in tiefster Not noch rufen: "Herr, rette mich!" Da ist sein Glaube tatsächlich felsenfest und ein Vorbild für uns.

Und schließlich: wir haben oft sehr hohe Erwartungen an unsere Mitchristen und sind schnell mit Verurteilungen bei der Hand. Schuldzuweisungen und Verurteilungen von Gläubigen an die Adresse der Hauptamtlichen und umgekehrt sind häufig. Die Messlatte liegt sehr hoch, Kritik und Schelte sind oft sehr hart.

An der Beziehung zwischen Jesus und Petrus wird indes deutlich: mit den menschlichen Schwächen rechnen und trotzdem einen Vertrauensvorschuss geben, kann mehr bewirken als eine Verurteilung und ein Abbruch von Beziehungen. Jesus hat dem Petrus vertraut und ihn "Fels" genannt, auf dem er seine Kirche erbauen will.
Dieses Vertrauen Jesu hat Petrus letztlich die Kraft gegeben, tatsächlich Vorbild zu sein für uns alle heute, ein Fels, auf dem auch wir stehen können. Ein Fels, der manchmal auch schwach wird, weil auch er ein Mensch ist. Er ist aber einer, der weiß, wie Umkehr geht und der letztlich in seinem Herzen getragen ist von der Liebe Jesu, der Liebe Gottes. Seine Demut und seine Umkehrbereitschaft, seine tiefe Beziehung und Liebe zu Jesus, nicht irgendein Machtanspruch machen ihn zum Fundament der Kirche, auf dem die ganze Kirche stehen kann und seit 2000 Jahren überdauert.

> 14. Sonntag im Jahreskreis

Lesung

Lesung aus dem Buch Sacharia:

So spricht der Herr:
Juble laut, Tochter Zion!
Jauchze, Tochter Jerusalem!
Siehe, dein König kommt zu dir.
Er ist gerecht und hilft;
er ist demütig und reitet auf einem Esel,
auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.
Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim
und die Rosse aus Jerusalem,
vernichtet wird der Kriegsbogen.
Er verkündet für die Völker den Frieden;
seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer
und vom Eufrat bis an die Enden der Erde.

 

 

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit sprach Jesus:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
weil du all das den Weisen und Klugen verborgen,
den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden;
niemand kennt den Sohn, nur der Vater,
und niemand kennt den Vater, nur der Sohn
und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Kommt alle zu mir,
die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch drückt nicht,
und meine Last ist leicht.

 

Gedanken

„Hast du was, dann bist du was!“ Ein Wahlspruch, der weithin Geltung hat.
In unserer Gesellschaft betreten immer mehr Menschen die Bühne der Macht, die diesem Motto huldigen. Starke Männer, die mit einem schlichten schwarz-weißen Weltbild Menschen in ihren Bann zu ziehen versuchen. „America first!“, „Deutschland den Deutschen!“, alles tun für die Macht und die Vorherrschaft. Und oft steht dahinter nicht einmal das Wohl der Menschen, gar das der „Kleinen“. Meist steht sogar der eigene Gewinn im Vordergrund. Diese Machthabenden binden ihre Politik nicht mehr an die Menschen zurück und gerade die Kleinen, die keine Stimme haben, werden dann vergessen. Die Menschen sind oft nur das Mittel, die Macht zu erlangen oder sie zu behalten. Und gerade die Kleinsten, das heißt die Schwächeren, werden nicht berücksichtigt oder sogar ausgegrenzt. Auch in der Corona-Krise sind es die Schwächeren, die am meisten unter den Folgen zu leiden haben.
In der Lesung aus dem Buch des Propheten Sacharja wird uns ein anderer Typ von Herrscher vorgestellt: gerecht und demütig ist er und verkündet den Frieden – und zwar für alle Völker. Dieser neue König, der von Gott kommt, ist ganz anders als die üblichen Herrscher. Er denkt nicht an seine eigene Macht, sondern hat das Wohl der Menschen im Blick.
Die Christen haben in Jesus diesen König gesehen. Er ist gütig und demütig und spricht vor allem auch die Kleinen an, diejenigen, die keine Stimme haben im Chor der Mächtigen. Sein Joch ist leicht sagt er.
Ein Joch verbinden wir meist mit Lasten, sprechen vom Joch der Unterdrückung und der Sklaverei. Doch das Joch Jesu will eine Hilfe sein, das Leben und seine Lasten leichter ertragen und leben zu können. Ja, dieser neue König, Jesus, trägt die Lasten des Lebens mit uns, statt immer neue Lasten aufzubürden.
„…so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ sagt Jesus im heutigen Evangelium.
Gerade das – so glaube ich – ist das Geheimnis dieses Königtums Jesu: Er, der Erstgeborene der Schöpfung, er steigt ab auf den letzten Platz, um auch noch den letzten Menschen – den mitgekreuzigten Kriminellen – mit Gott zu versöhnen. Dieser Jesus am Kreuz – er ist der heruntergekommene Gott, wie es einmal einer gesagt hat, ein Gott, der abgestiegen ist bis auf den allerletzten Platz, damit alle – auch die niedrigsten und ärmsten zu ihm kommen können. In dieser Weise ist Jesus – gerade der Jesus am Kreuz - wirklich König. Aber er ist nicht ein König, der sich über die anderen stellt, um sie zu unterwerfen und zu beherrschen. Er ist einer, der selbst hinabsteigt in die tiefsten Tiefen des Lebens, um alle Menschen aufzurichten und zu erheben. Er, der Messias, der Gesalbte Gottes, er gibt nach der Auferstehung den Aposteln den Auftrag alle Menschen zu taufen, das heißt, sie diesem König ähnlich zu machen als Christen – das heißt als gesalbte zu Königen, Propheten und Priestern. Jesus ist ein König, der andere nicht klein macht, sondern sie groß machen will – er ist keiner, der sich selbst aufwerten will, indem er andere klein macht und klein hält – er steigt hinab und erniedrigt sich selbst, um auch noch den kleinsten und erbärmlichsten Menschen aufzurichten und größer zu machen.

Es ist für mich beeindruckend und bewegend, wenn ich die Würde und die Größe erlebe, die Menschen gerade auch im eigenen Leid zeigen; Menschen die diesen gekreuzigten Jesus zum König ihres Lebens gemacht haben.

Ich erlebe diese Größe und Würde bei den Menschen, die – manchmal über Jahre – einen lieben Menschen pflegen – nicht vor dem Kreuz davonlaufen, sondern es annehmen, wie Jesus es getan hat. Es sind die Menschen, die sich – trotz Widerstand und Nachteilen für andere, für Schwächere einsetzen.

 

Das ist das Königtum Jesu, das sich zeigt in seiner Solidarität mit den Schwachen und Niedrigen. Er steigt ab, damit andere aufsteigen können. Er wird klein und niedrig, damit andere groß werden können.
Lernen wir von diesem König, von Jesus, und führen wir uns immer wieder sein Königtum vor Augen und versuchen wir das zu werden, was wir seit unserer Taufe dem Namen nach schon sind: Christen, Gesalbte – Menschen, die in die Fußstapfen seines Königtums treten. Amen.

Fürbitten

Jesus lädt uns ein, in seine Beziehung mit dem Vater einzutreten.
Wer sich in seiner Begrenztheit als Mensch auf diesen Weg wagt, den wird der Heilige Geist zu wahrer Erkenntnis und Einsicht führen.
Um diesen Geist lasst uns beten:

 

Um die Kraft deines Geistes für alle,
die deine Botschaft glaubhaft verkünden wollen.
Jesus, unser Bruder:

 

Um die Kraft deines Geistes für alle Politiker, die sich ehrlich und ihrer Verantwortung bewusst für sinnvolle Neuerungen in unserer Gesellschaft einsetzen.
Jesus, unser Bruder:

 

Um die Kraft deines Geistes für alle, die in diesen Tagen im Urlaub nach Ruhe und innerem Frieden suchen.
Jesus, unser Bruder:

 

Um die Kraft deines Geistes für alle, die zu dir beten und sich von deiner Weisheit leiten lassen wollen zu einem Leben der Barmherzigkeit und der Demut.
Jesus, unser Bruder:

 

Um die Kraft deines Geistes, der unsere Verstorbenen zum ewigen Leben führt.

Wir preisen dich, allmächtiger Gott, und bitten dich:
führe uns den Weg der Gottesfurcht und Einsicht,
damit wir in dir finden, was uns wirklich leben lässt. - Amen.



Vaterunser


Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 13. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium: Mt 10,37-42

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich,
   ist meiner nicht wert,
und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich,
   ist meiner nicht wert.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt,
   ist meiner nicht wert.
Wer das Leben findet,
   wird es verlieren;
wer aber das Leben um meinetwillen verliert,
   wird es finden.
Wer euch aufnimmt,
   der nimmt mich auf,
und wer mich aufnimmt,
   nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist,
   wird den Lohn eines Propheten erhalten.
Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist,
   wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
Und wer einem von diesen Kleinen
   auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt,
   weil es ein Jünger ist –
   Amen, ich sage euch:
Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

 

 

Gedanken
Das heutige Evangelium ist sperrig und das, was Jesus sagt, widerspricht scheinbar allen gängigen Meinungen und Trends der heutigen Zeit – und wohl auch der Zeit Jesu.
Immer wieder wird die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie eingefordert. Für Jesus scheint das keine Rolle zu spielen. Der Zölibat wird heutzutage stark in Frage gestellt und kritisiert – manchmal nur noch mit einem Kopfschütteln bedacht.

Sein Kreuz auf sich zu nehmen hat für die meisten Menschen ebenfalls einen eher negativen Beiklang. Sich durchsetzen, sich wehren und seinen Platz behaupten ist eher angesagt.

Sicher, auch heute noch bewundern viele Menschen Jesus und seine Art zu leben, seinen Einsatz für Menschlichkeit und Liebe. Und viele möchten auch heute noch, dass die Werte, die auf Jesus zurückgehen, die sogenannten christlichen Werte, immer noch Geltung besitzen, weil sie scheinbar zu leben helfen.

Aber ist das, was Jesus im Evangelium sagt, nicht zu hart? Eigentlich eine Unmöglichkeit und heute nicht mehr zeitgemäß? Können Menschen solche Entscheidungen überhaupt treffen. Sind nicht die Kompromisse, die Mittelwege, die eigentlich goldenen Wege? Für Jesus nicht.

Aber schauen wir doch einmal auf unseren ganz konkreten Alltag. Treffen wir nicht auch in unserem Alltag solche Entscheidungen immer wieder – gerade dann, wenn es um wichtige Dinge in unserem Leben geht, um existentielle Entscheidungen?

Wenn wir uns für einen Lebenspartner, eine Lebenspartnerin, entscheiden, dann ist das auch eine Entscheidung, die Endgültigkeit besitzt und den Ausschluss anderer Möglichkeiten beinhaltet.

Wenn wir uns für einen Beruf entscheiden, dann schließt das viele andere Möglichkeiten zunächst einmal aus. Wenn Ehepartner sich entschließen, Kindern das Leben zu schenken, dann ist das genauso eine Entscheidung, die manches andere im Leben nicht mehr möglich sein lässt. Dietrich Bonhoeffer sagt es einmal treffend: „Wenn man in den falschen Zug einsteigt, nützt es nichts, wenn man im Gang entgegen der Fahrtrichtung läuft.“ Man muss aussteigen und versuchen, auf den richtigen Weg zurückzufinden.

 

Übrigens: wir erleben es ja heutzutage, dass Menschen eben nicht mehr auf Jesus, auf Gott, in ihrem Leben setzen, sondern andere Dinge wichtiger finden für ihr Leben. Ich glaube sogar, das war schon immer so.

 

Wichtige, existenzielle Entscheidungen fordern eben unseren ganzen Einsatz, den Einsatz mit Herz und Hand.

 

Der Wunsch, sich an Jesus fest zu machen, ist eine solche existentielle Entscheidung, die uns immer wieder ganz einfordert. Wir feiern diese Entscheidung Sonntag für Sonntag in der Eucharistie. Wir machen uns fest an diesem Jesus, der uns auffordert, ihn und seine Botschaft ernst zu nehmen, ja alles auf ihn, die Karte Jesus zu setzen.

 

Was uns das bringt: der Apostel Paulus sagt es uns im Römerbrief, im Abschnitt der heutigen Lesung: die Entscheidung für Jesus bringt uns Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes. Wenn Menschen aus der Freiheit der Kinder Gottes leben, ganz und entschieden, dann hat das auch für unsere Lebenswelt konkrete Folgen: unsere Welt, unser Leben, wird lebenswerter, weil in den Beziehungen der Menschen etwas vom Reich Gottes aufstrahlt.

 

Das, was Jesus uns heute sagt ist nicht unmenschlich hart, es hat sogar etwas mit gesundem Menschenverstand und konkreter Lebensweisheit zu tun. 

Amen.

 

 


 

Fürbitten

 

Gott, unser Vater,
in unserer Welt begegnen uns viele Menschen,

die in Not und auf Hilfe angewiesen sind.
Wir bitten dich:

 

Für die 80 Millionen Menschen, die gegenwärtig auf der Flucht sind.
Schenke ihnen Frieden, Heimat und den nötigen Lebensunterhalt.

 

Für die zahllosen Menschen, die hilflos der Corona-Epidemie ausgeliefert sind.
Schütze sie und alle, die ihnen zu helfen bereit sind.

 

Für alle Frauen und Männer, die sich dem Dienst für Gott und für die Menschen zur Verfügung stellen.
Stärke sie durch deinen Heiligen Geist und lass sie durch Wort und Tat Zeugnis für dich ablegen.

 

Für alle, die in diesen Tagen im Urlaub Erholung suchen.
Schenke ihnen eine erfüllte Ferienzeit
und, wenn sie verreisen, eine gute Heimkehr.

 

Für alle, die ihres Glaubens wegen verfolgt werden.
Lass ihre Leiden nicht vergeblich sein.

 

Für die Verstorbenen.

Schau auf das Gute, das sie in ihrem Leben sichtbar oder still getan haben

und lass sie nicht um ihren Lohn kommen.

 

Dir, Herr, vertrauen wir unsere Sorgen und Nöte an.
Dich preisen wir und dir danken wir. - Amen. 

 

 

Vaterunser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 12. Sonntag im Jahreskreis

Lesung: Jer 20, 10 – 13

 

Jeremía sprach:

Ich hörte die Verleumdung der Vielen:

Grauen ringsum! Zeigt ihn an!

Wir wollen ihn anzeigen.

Meine nächsten Bekannten

   warten alle darauf, dass ich stürze:

Vielleicht lässt er sich betören,

   dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.

Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.

Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen.

Sie werden schmählich zuschanden,

   da sie nichts erreichen,

in ewiger, unvergesslicher Schmach.

Aber der Herr der Heerscharen prüft den Gerechten,

er sieht Nieren und Herz.

Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen;

   denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.

Singt dem Herrn, rühmt den Herrn;

denn er rettet das Leben des Armen

   aus der Hand der Übeltäter.

 

 

Gedanken

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Mobbing ist ein Phänomen, das wir aus den sozialen Medien verstärkt kennen. Jemand wird bloßgestellt und verhöhnt, beschimpft oder klein gemacht. Und das in aller Öffentlichkeit. Eine Aussage, eine Beleidigung oder eine Verleumdung wird gepostet, meist sogar anonym. Ich weiß oft nicht, woher das Mobbing kommt und wer damit angefangen hat. Und doch wirkt es.
Mobbing isoliert mich von anderen, es stellt mich bloß, macht mich klein und verwundbar. Eine aktive Gegenwehr ist oft nicht möglich.
Aber es ist auch kein neues Phänomen. Es gab das auch schon vor dem Internet. Da nannte man es nur nicht Mobbing, sondern üble Nachrede, Verleumdung oder Rufmord.
In Ratgebersendungen für Jugendliche heißt es dann oft: suche dir einen Verbündeten, einen Vertrauten – die Eltern oder einen Vertrauenslehrer – und erzähle ihm deine Sorgen. Einen Verbündeten zu haben nimmt das Mobbing noch nicht fort, aber es nimmt mir das Gefühl des Ausgeliefert-seins und des Kleinseins. Einen Verbündeten zu haben stärkt mich und gibt mir verlorene Sicherheit zurück.

 

In einem modernen Kirchenlied heißt es:

 

„Ich möcht', dass einer mit mir geht,

der's Leben kennt, der mich versteht,

der mich zu allen Zeiten kann geleiten.

Ich möcht', dass einer mit mir geht.“

Der Prophet Jeremia hat Mobbing, Rufmord und sogar Bedrohung des Lebens am eigenen Leib erfahren. Er ist selbst für die Wahrheit und für Gott eingetreten bis zur Selbstaufgabe. Und er wird von den Menschen dafür verhöhnt und beschimpft. Wir würden heute sagen: gemobbt. Er fühlt sich am Ende verzweifelt und enttäuscht.  Doch er macht auch die Erfahrung, dass er nicht allein ist. „Der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.“ heißt es in der Lesung.

Dieses Wissen, nicht allein zu sein, sondern Gott im Rücken zu haben als Halt du Stütze, gibt Jeremia die Kraft immer wieder weiterzumachen. Es gibt ihm die Kraft die Botschaft Gottes immer wieder und immer weiter zu sagen.

Es heißt, dass einer mit mir geht,

der's Leben kennt, der mich versteht,

der mich zu allen Zeiten kann geleiten.

Es heißt, dass einer mit mir geht.

 

Im Evangelium stellt sich Jesus als derjenige vor, der mitgeht. Wenn ich ihm vertraue, an ihn glaube, dann wird er hinter mir stehen und vor Gott selbst für mich eintreten. Dann kann ich in dem Bewusstsein leben, niemals alleine zu stehen. Hinter mir stehen Gott und Jesus, um mir den Rücken zu stärken, gerade dann, wenn der Lebensweg durch Leid und Verzweiflung geht. „Fürchtet euch nicht!“ heißt es in der Lesung aus dem Buch Jeremia. „Fürchtet euch nicht!“ heißt es im Evangelium.

 

Ich wart', dass einer mit mir geht,

der auch im Schweren zu mir steht,

der in den dunklen Stunden mir verbunden.

Ich wart‘, dass einer mit mir geht.

Sie nennen ihn den Herren Christ,

der durch den Tod gegangen ist;

er will durch Leid und Freuden mich geleiten.

Ich möcht', dass er auch mit mir geht.

 

„Mit Jesus an meiner Seite!“ so lautet das Motto der diesjährigen Kommunionvorbereitung. Mit ihm an meiner Seite komme ich gut durch das Leben, durch Freud und Leid, ja sogar durch den Tod. Es ist die Erfahrung vieler Menschen, die mir von ihrem Glauben erzählt haben. Jesus und Gott, sie bringen mich gut durch mein Leben. Sie schenken mir Mut und Zuversicht und lassen mich auch unmöglich scheinendes überstehen.
Ich wünsche uns alle eine solche tiefe Erfahrung von „Gott an meiner Seite“.
Diese Erfahrung macht stark und selbstbewusst.
Amen.


Fürbitten:

Herr Jesus,
du schenkst uns Mut, dich zu bezeugen.
Wir dürfen auf deinen Beistand vertrauen.
So bitten wir dich:

 

Erneuere die Herzen aller,
die den Glauben an dich bekämpfen oder belächeln.
Guter Jesus:

 

Stärke den Mut aller, die benachteiligt werden,
die verfolgt, verletzt oder gar getötet werden,
weil sie an dich glauben.
Guter Jesus

 

Lass alle, die sich zu dir bekennen,
echte Zeugen und Zeuginnen deiner Liebe sein, in Wort und Tat.
Guter Jesus:

 

Gib deiner Kirche den Mut, sich dort zu erneuern, wo es notwendig ist.
Schenke deinen Geist auch im Erneuerungsprozess unsere Diözese.
Guter Jesus:

 

Steh allen Kranken und an Corona Infizierten bei

und bewahre die Menschheit vor Verzweiflung.
Guter Jesus:

 

Erbarme dich aller Verstorbenen und nimm sie auf in dein Reich.
Guter Jesus:

Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.

 

 

Vater unser

 

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

 

> 11. Sonntag im Jahreskreis

Lesung: Ex 19,2-6a

In jenen Tagen
kamen die Israeliten in die Wüste Sinai.
Sie schlugen in der Wüste das Lager auf.
Dort lagerte Israel gegenüber dem Berg.
Mose stieg zu Gott hinauf.
Da rief ihm der HERR vom Berg her zu:
   Das sollst du dem Haus Jakob sagen
   und den Israeliten verkünden:
Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe,
wie ich euch auf Adlerflügeln getragen
   und zu mir gebracht habe.
Jetzt aber,
   wenn ihr auf meine Stimme hört
   und meinen Bund haltet,
   werdet ihr unter allen Völkern
   mein besonderes Eigentum sein.
Mir gehört die ganze Erde,
ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern
   und als ein heiliges Volk gehören.

  

Gedanken:

Es gibt in der Corona-Krise derzeit viele Anzeichen, dass sich die Lage immer mehr entspannt und normalisiert. „Lockdown“ und „Shutdown“ waren die Schlagworte der vergangenen Monate. „Öffnung“ und „Lockerung“ sind jetzt die wichtigsten Worte.

 

Die vergangenen Monate seit dem Palmsonntag waren eine Zeit, die wir durchaus mit der Wüstenwanderung der Israeliten vergleichen können. Die großen kirchlichen Feste fielen aus, Menschen mussten und müssen sich nicht nur in den sozialen Kontakten einschränken. Viele müssen das auch materiell tun, weil sie in der Krise ihre Arbeit verloren haben. Auch die Tafel hat wieder einige Neuzugänge zu verzeichnen. Sicher, es gab schlimmere Krisen in der Vergangenheit, zum Beispiel die beiden großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts. Aber es war eine Situation in den vergangenen Wochen, die uns nicht kalt gelassen hat.

 

Es gab aber auch Mutmachendes und tröstliches in dieser Zeit der Wüstenwanderung: Es gab Menschen, die in dieser Zeit mit ihrer Kreativität und ihrem Engagement Mut gemacht haben. Ich habe schon öfter davon erzählt.



Und auch die Erzählung der Lesung aus dem Buch Exodus ist nicht nur eine Geschichte von einer Wüstenwanderung, sondern auch eine Botschaft, die Mut machen will. „Ihr habt gesehen, … wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und zu mir gebracht habe.“ Sagt Gott da zu Mose. Ein wunderschönes Bild der Sorge Gottes um sein Volk. Die jungen Adler werden von den Eltern regelrecht aus dem Nest geworfen, damit sie lernen ihre Flügel zu gebrauchen. Aber der Adler ist immer in der Nähe und fängt das Junge auf – trägt es auf seinen Flügeln wieder in Nest, wenn es noch nicht klappen sollte mit dem Fliegen. Er, der große und erfahrene Adler traut es seinen Jungen zu, selbst flügge zu werden, selbst fliegen zu können. Aber er ist auch da, wenn es noch nicht geht.

 

Warum tut Gott das? Warum sorgt er sich so um sein Volk?

 

„Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein.
Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.“
Es ist die besondere Beziehung, die Gott zu seinem Volk hat, die ihn so handeln lässt.
In Jesus wird diese Beziehung aber weiter, umfasst alle Menschen, nicht nur Juden, sondern auch die Heiden, die Völker außerhalb Israels.
Mit Gott an der Seite, mit ihm im Herzen, konnte Israel die 40-jährige Zeit der Wanderung durch die Wüste überstehen, ja sogar ganz neue Perspektiven für sich entdecken.



Vielleicht kann uns das ja auch so gehen: Mit Gott im Herzen, mit Jesus an der Seite und getragen von seinem Geist, können auch wir Wüstenzeiten meistern. Auch wir sind Kinder Gottes, gehören zu seinem Volk.
Aber noch mehr: in den Versen des heutigen Evangeliums steht für mich die Zusage, dass Gott uns großes Vertrauen schenkt: „Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.“ Die Jünger werden von Jesus gewissermaßen aus dem Nest geschickt, hinein in die Welt. Dort sollen sie sein Werk weiterführen. An anderer Stelle sagt er sogar: „Größere Dinge als ich werdet ihr vollbringen.“ Aber er verspricht ihnen, als ihr Hirte, immer bei ihnen zu sein, sie zu unterstützen, sie zu tragen, wenn der Weg allein zu schwer wird.



Wir haben einen Gott, der uns wie auf Adlerflügeln trägt, uns birgt und schützt, wenn es nötig ist. Gleichzeitig schenkt er uns sein Vertrauen, dass wir selbst Wüstenwanderungen durchstehen können. Glauben heißt aber dann, dass wir seiner Zusage vertrauen und uns auf sie einlassen mit Haut und Haaren.
Amen.


Fürbitten:

Jesus sendet die Apostel und uns,

dass wir seine Gute Nachricht verkünden und den Menschen Gutes tun.
Er ist mit uns auf dem Weg und stärkt uns und die Welt,
wo menschliche Kräfte zu schwach sind.
Mit ihm tragen wir unsere Bitten vor Gott.

Bitten:

 

Wir beten für die Christinnen und Christen, die Zeugnis ablegen für Jesus Christus und das Evangelium in die Tat umsetzen im Dienst an den Menschen.
V. Lebendiger Gott:

 

Wir beten für alle, die sich über die neuen Lockerungen unter Corona freuen,
und für die Frauen und Männer, die dafür Verantwortung übernehmen.
Und auch für die vielen, denen das alles noch unheimlich ist und manches zu schnell geht.
V. Lebendiger Gott:

 

Wir beten für die Kinder, Frauen und Männer auf dem Weg nach Europa,
die vor Tunesien mit ihrem Boot verunglückt und ertrunken sind.
Und für alle, die unter großen Gefahren unterwegs sind auf der Suche nach Leben und Heimat.
V. Lebendiger Gott:

 

Wir beten für die vielen Kinder und Jugendlichen,
die immer noch und immer wieder sexualisierte Gewalt erleiden;
und für alle, die sich jedem Übergriff auf schwächere Menschen in den Weg stellen.
V. Lebendiger Gott:

 

Wir beten für die Millionen Kinder, die überall in der Welt oft zu schwer arbeiten müssen.
Für Wirtschaft und Politik, die mehr gegen ausbeuterische Kinderarbeit tun müssten; und für alle, die genau hinschauen und fair produzierte und gehandelte Waren einkaufen.
V. Lebendiger Gott:

 

Wir beten für alle, die die Kirche von Trier im Dienst an Menschen
und Gesellschaft neu aufstellen und damit die Bistums-Synode umsetzen wollen.
Und besonders auch für Bischof Stephan und alle Verantwortlichen,
die an der Pfarrei der Zukunft arbeiten.
V. Lebendiger Gott:

 

Gottes Reich ist nahe,
auch wenn wir es manchmal nur schwer erkennen.
Gottes Macht dürfen wir vertrauen und auf sie hoffen.
Dafür danken wir unserem Gott im Heiligen Geist
mit Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn. Amen

 

> Dreifaltigkeitssonntag

Lesung: 2 Kor 13, 11 - 13

Schwestern und Brüder,
freut euch,
kehrt zur Ordnung zurück,
lasst euch ermahnen,
seid eines Sinnes,
   haltet Frieden!
Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Grüßt einander mit dem heiligen Kuss!
Es grüßen euch alle Heiligen.
Die Gnade des Herrn Jesus Christus
   und die Liebe Gottes
   und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
   sei mit euch allen!

 

Gedanken


Wir sind drei – Ihr seid drei – Mach uns frei!

Jeden Gottesdienst beginnen wir mit dem Kreuzzeichen: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Vielleicht haben Sie heute Morgen den Tag mit demselben Zeichen begonnen oder mit dem „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“.  Vielleicht vermissen auch einige unter Ihnen das Weihwasser am Eingang der Kirche. Wenn wir eine Kirche betreten, dann zeichnen wir normalerweise als Erinnerung an die Taufe mit dem Weihwasser das Kreuzzeichen auf unsere Stirn. Auf jeden Fall hat das Leben als Christ für jeden von uns mit dieser Gebetsformel begonnen, als der Taufende Wasser über den Kopf goss und dazu sagte: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

 

Es ist vielleicht das kürzeste Bekenntnis unseres Glaubens an den dreifaltigen Gott und eine der wichtigsten Gebetsformeln. Deshalb ist es für mich auch so bedrückend, wenn Kinder diese Gebetsformel nicht mehr lernen.

 

Glaubt man Umfragen, so haben immer mehr Menschen, auch getaufte Christen, Schwierigkeiten mit dem Glauben an einen persönlichen Gott, erst recht an einen Gott, der uns hochtheologisch als drei Personen und eins im Wesen dargestellt wird. Der Philosoph Immanuel Kant hielt die Rede von der Dreifaltigkeit für unnötig, weil nur theoretisch und ohne praktischen Nutzen. Und Goethes Mephisto spottete: „Es war die Art zu allen Zeiten, durch Drei und Eins und Eins und Drei Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.“ Für Muslime und Juden ist die Dreifaltigkeit ein Stein des Anstoßes, ja manchmal ein Ärgernis.

 

Die Lehre vom dreifaltigen Gott, also eine Erfindung hochgebildeter Theologen? Jedenfalls füllen die Traktate zur Dreifaltigkeit meterweise Regale.

 

In der heutigen Lesung aus dem zweiten Brief an die Korinther grüßt der Apostel Paulus die Gemeinde in Korinth im Namen des dreifaltigen Gottes: Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

 

Es ist also eine Vorstellung von Gott, die nicht von Theologen erfunden wurde, sondern aus der Bibel selbst kommt. Und es ist ein sprachliches Bild, das erwachsen ist aus einer tiefen Beziehung Jesu zu Gott, den er Vater nennt. Es war die Liebe Jesu zu Gott und die Liebe Gottes zu Jesus, die hier einen Ausdruck fand. Wer Jesus sah, der sah den Vater. Jesu ganzes Wesen war durchdrungen von Gott, an ihm ist Gott selbst auf Erden sichtbar, erfahrbar geworden. Den Willen des Vaters zu leben, mit Haut und Haaren, das war es, was Jesus vorlebte, so dass er von sich sagen konnte: „Ich und der Vater sind eins.“

 

Die Geschichte von Jesus und dem Vater ist im wahrsten und besten Sinne des Wortes eine Liebesgeschichte. Verliebte können das vielleicht nachvollziehen, wenn sie – gerade am Anfang einer Beziehung – ganz durchdrungen sind vom Anderen, sich oft mit ihm eins fühlen, auch wenn sie zwei sind. Und das, was sie verbindet ist ein gemeinsamer Geist. Sich von diesem Geist ergreifen lassen, das heißt sich zu öffnen für den Anderen – dem Anderen, dem oder der Geliebten Raum geben im eigenen Leben, sich für ihn „begeistern“, ja ihn oder sie mein Leben prägen lassen.

 

Nichts anderes ist mit Jesus geschehen: vom Geist Gottes erfüllt wurde er ein „Begeisterter“ von Gott, öffnete sich im ganz und gar und ließ den Vater sein Leben bestimmen und prägen.

 

So ist die Gebetsformel, die unser Kreuzzeichen begleitet keine theologische, theoretische Formel, die keinerlei Bezug zu unserem Leben hat, sondern im Gegenteil. Sie kann zum Ausdruck der Liebe zum Vater und zu Jesus werden, wenn wir uns seinem Geist öffnen. Und sie kann zu einem Zeichen werden, das unseren Alltag, unser ganzes Leben prägen will, weil sie uns hineinnimmt in den Fluss der Liebe des dreifaltigen Gottes und uns ermutigt, selbst aus dieser Liebe zu leben.

 

„Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen sind Söhne und Töchter Gottes.“ sagt Paulus. Und als Kinder Gottes dürfen auch wir Gott Vater nennen und werden – wie es Paulus ausdrückt zu Erben Gottes und Miterben Christi.

 

Wenn wir das Kreuzzeichen machen oder das Ehre sei dem Vater sprechen, dann heißt das: wir treten durch das Wirken des Geistes ein in die Liebesbeziehung Jesu zum Vater, werden Teil dieser Liebesbeziehung und öffnen unser Leben dieser Beziehung, lassen unser Leben von dieser Beziehung prägen.

 

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ – eine kurzes Glaubensbe-kenntnis oder sagen wir besser eine kurze Liebeserklärung an den dreieinigen Gott mit großer praktischer Bedeutung für unser Leben, nicht eine Erfindung trockener Theologen, sondern aus der Liebe Jesu zum Vater erwachsen.

 

Eine kleine russische Legende bringt das treffend zum Ausdruck:

Auf einer kleinen Insel im Nordmeer lebten vor langer Zeit drei Mönche. Eines Tages bekamen sie Besuch von ihrem Bischof, der sich nach dem Lebenswandel der drei erkundigte. Der Bischof fragte sie: „Wie betet ihr denn?“ Sie gaben zur Antwort: „Wir sind drei – Ihr seid drei – Mach uns frei!“

 

Der Bischof hielt solches Beten doch für ein wenig dürftig. Unter viel Mühe lehrte er die drei Männer das Vaterunser. Nach längerer Zeit fuhr der Bischof mit seinem Schiff wieder ab. Er war noch nicht weit vom Ufer entfern, da sah er die drei Hand in Hand über das Wasser dem Schiff nacheilen. Als sie nahe genug herangekommen waren, riefen sie: „“Herr, Herr! Wie geht es weiter? Geheiligt werde dein Name … wir wissen nicht mehr weiter.“ Voll tiefer Ergriffenheit gab der Bischof zur Antwort: „Betet weiter, wie ihr es bisher getan habt. Gott hört euch.“ Erleichtert gingen die drei über das Wasser zurück zu ihrer Insel, Hand in Hand, und beteten: „Wir sind drei – Ihr seid drei – mach uns frei!“ Dieses Gebet – ihr Bekenntnis nahm sie ganz hinein in die Liebe des dreieinigen Gottes und half ihnen, über das Wasser ihres Lebens zu gehen.

 

Denken Sieeinmal daran, wenn Sie das nächste Mal ein Kreuzzeichen machen und lassen Sie Sich dadurch hineinnehmen in die Liebe des dreieinigen Gottes, der uns über die Wasser des Lebens begleiten und unser Leben prägen will.

 

Amen.

 

 

Fürbitten

 

Unser Leben steht unter dem dreieinen Gott:
dem Vater, von dem alles ausgeht,
dem Sohn, dessen Worte uns beten und handeln lehren,
und dem Heiligen Geist, der uns begleitet, tröstet und zum Guten stärkt.
In diesem Glauben bitten wir:

Beziehung gehört zum Wesen Gottes.
Schenke uns daran Anteil, wenn wir uns gemeinsam zum Gottesdienst versammeln.
Lass uns diese Beziehung auch in den Zeiten des Abstand-Haltens nicht verlieren.
Dreifaltiger Gott:

 

Beziehung bedeutet auch füreinander Verantwortung zu übernehmen.
Öffne unsere Herzen für die Nöte der Kranken, der Einsamen, der Arbeitslosen und der aus vielerlei Gründen an den Rand Gedrängten unserer Gesellschaft.
Dreifaltiger Gott:

 

Beziehung ist Liebe, die sich im Zueinander von Personen verwirklicht.
Lehre uns, immer mehr auf das Wohl der anderen zu achten.
Dreifaltiger Gott:

 

Beziehung braucht verzeihen können.

Hilf uns, unsere Fehler- und Konfliktkultur zu verbessern.
Dreifaltiger Gott:

 

Beziehung hört mit dem Tod nicht auf.
Beten wir für alle jene, die während dieser Pandemie verstorben sind, ohne sich von ihren Lieben verabschieden zu können.
Dreifaltiger Gott:

 

Gott! Du hast uns geschaffen, erlöst und begleitest uns mit deinem Geist durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens.
Dir gilt unser Dank und Lobpreis. - Amen.

 

Vaterunser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> Pfingsten 2020

Evangelium: Joh 20,19-23



Am Abend dieses ersten Tages der Woche,
   als die Jünger aus Furcht vor den Juden
   bei verschlossenen Türen beisammen waren,
   kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten
   zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat,
   so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte,
   hauchte er sie an
und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst,
   denen sind sie erlassen;
denen ihr sie behaltet,
   sind sie behalten.

 

Gedanken

 

Oft reden wir heute von Brennpunkten. Es sind Orte, an denen sich etwas bündelt oder besonders sichtbar in Erscheinung tritt.

So spricht man von sozialen Brennpunkten, also von Orten, an dem soziale Probleme – z.B. Armut, Arbeitslosigkeit, Kriminalität – besonders deutlich zutage treten.  Eine Stadt wie Frankfurt, mit Börse und Banken, wird oft als wirtschaftlicher Brennpunkt bezeichnet. Es gibt Brennpunkte der Macht oder auch – in den Krisengebieten – Brennpunkte der Gewalt.

Und auch in kirchlichen Kreisen wird von Brennpunkten geredet. In Zeiten, in denen flächendeckende Seelsorge nicht mehr möglich ist, sollen so genannte geistliche Brennpunkte als Anlaufstelle für Gläubige und Suchende dienen: In Koblenz, Trier und Saarbrücken sind Citykirchen und Kirchenläden entstanden und sollen Brennpunkte des Glaubens werden.

Auch in der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte ist von einem Brennpunkt die Rede, einem Brennpunkt des Glaubens in Jerusalem. In Jerusalem vor etwa 2000 Jahren – damals wie heute ein religiöser Brennpunkt – da ereignete sich etwas in einem abgeschlossenen, verrammelten Saal, in dem eine verängstigte und verunsicherte Schar von Anhängern eines am Kreuz Hingerichteten, zusammen mit der Mutter dieses Mannes, Jesus mit Namen, beteten.

Es war wie Feuerzungen, die sich auf jeden dieser Menschen herabließen heißt es da in der Apostelgeschichte. Es war wie Feuerzungen, die diese Menschen in Brand setzten, sie ihre Angst und Unsicherheit vergessen ließ. Es war diese begeisternde Erfahrung, die diese Menschen plötzlich wissen ließ: Wir brauchen keine Angst zu haben, Jesus lebt und auch wir werden leben! Egal, was auch geschieht, wir sind Kinder Gottes. Ihr Herz brannte so sehr, dass sie die Türen aufrissen und auf die Strasse stürzten, um allen von ihrer Erfahrung mitzuteilen. Der Brennpunkt wurde sehr schnell zum Flächenbrand und die Botschaft des Jesus von Nazareth breitete sich über die ganze bekannte Welt aus. Das ist eine der Eigenschaften von Brennpunkten: sie bleiben nicht bei sich. Ihr Feuer verbreitet sich nach außen.

Damals in Jerusalem, heißt es in der Apostelgeschichte, fügte der Geist etwa 3000 Menschen ihrer Gemeinschaft hinzu. Die Botschaft Jesu schlug ein wie eine Bombe – ein Erfolg ohnegleichen. Aber wo sind die Brennpunkte des Glaubens heute, 2000 Jahre später?

Heute reden wir eher vom Schrumpfen, als vom Wachsen, wenn wir vom Glauben reden; eher vom Austritt aus den Kirchen, als von Massentaufen; eher von Verkündigung, die schwerer wird und von Frust, als von Erfolgen.

Gibt es also keine geistlichen Brennpunkte mehr in unserer Zeit?

 

Es gibt sie immer noch und immer wieder. Vor einigen Jahren hat eine kleine Gruppe aus Birkenfeld sich mit mir auf den Weg gemacht in das kleine Dorf Mazille, in Burgund. Dort, im Kloster „Carmel de la Paix“ leben etwa 25 Schwestern des Karmelitenordens und ziehen mit ihrer einfachen und konsequenten Art die Botschaft Jesu zu leben immer mehr Menschen an. Diese Menschen kommen an diesen Ort, um am Leben der Schwestern ein wenig Anteil zu nehmen und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Wirklich ein Brennpunkt des Glaubens heute. Ein Ort, an dem das Feuer des Glaubens und die Begeisterung für Jesu Botschaft erfahrbar ist und ansteckend wirkt.

Nicht weit davon entfernt liegt Taizé, ein Ort der vom Namen her wohl vielen bekannt ist. Hier sind immer wieder Samstags zur Nacht der Lichter etwa 4000 Menschen – fast alle Jugendliche – versammelt, um miteinander zu beten, zu meditieren und zu singen. Auch die Gemeinschaft der Brüder von Taizé ist ein Brennpunkt des Glaubens, ein Ort, an dem Glaubenserfahrung sich verdichtet.

Viele Orte könnte man so noch weiter aufzählen.

Und hier bei uns, in Hermeskeil, in unserer Gemeinde? Gibt es auch da diese Brennpunkte des Glaubens, an denen der Geist Gottes spürbar ist? Oder ist da nur kalte Asche und erloschene Feuerstellen?

 

Nach nun fast acht Jahren in dieser Pfarrei glaube ich, dass es auch hier solche Brennpunkte des Glaubens gibt – vielleicht nicht so offensichtlich und spektakulär sichtbar wie in Taizé oder Mazille. Aber auch in unserer Gemeinde gibt es Menschen, denen ihr Glaube wie ein Feuer im Herzen brennt, die ihren Glauben an die Botschaft Jesu auch konsequent zu leben versuchen und daraus ihren Alltag gestalten.  Und das ist das wichtige, dass es solche Menschen gibt, die im Alltag das tun und leben, was sie glauben. Wichtig ist, dass der Brennpunkt nicht bei sich bleibt. Gäbe es diese vielen kleinen Brennpunkte des Heiligen Geistes nicht, wären all die Punkte wie Taizé oder Mazille und andere wertlos, bloß ein frommes Spektakel ohne bleibende Wirkung. Beten wir, dass es immer wieder und immer mehr diese kleinen Brennpunkte des Geistes in unserer Gemeinde gibt, die sich für das Reich Gottes und die Botschaft von der Liebe Gottes im Alltag stark machen, weil sie etwas vom Traum Gottes, von seiner Welt, zu verwirklichen suchen. In den Zeiten der Coronakrise sind diese Brennpunkte sichtbar geworden in den Menschen, die durch Ihre Aktionen und Hilfen das Leben der Menschen erträglicher zu machen versuchten. Es sind die Menschen, vor der Krise und danach auch wieder, die die Hauskommunion zu den Kranken bringen, die in der Tafel-Ausgabe Lebensmittel ausgeben, die Geflüchteten zur Seite stehen, Einsame besuchen und viele mehr.

Beten wir heute an Pfingsten darum, dass der Geist Gottes in unserer Gemeinde ein Zuhause hat und 

 

das bittere Herz süß,
das traurige Herz froh,
das zaghafte Herz kühn,
das schwache Herz stark,
das blinde Herz sehend,
die kalte Seele brennend macht,
dass er den großen Gott in das kleine Herz zieht,
und die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle treibt.

Amen.

 

Fürbitten

Gepriesen sei Jesus Christus,
der uns den Heiligen Geist vom Vater gesandt hat.
Zu ihm lasst uns beten:

 

  • Du sendest den Geist, den Beistand:
    Er sei bei den an Covid19 Erkrankten
    und bei denen, die sich für die Kranken und gegen weitere Infektionen einsetzen. Du Lebensspendender Geist:
  • Er stehe allen bei, die durch die Beschränkungen wirtschaftlich schwer getroffen sind und existenzielle Zukunftssorgen haben.
    Du Lebensspendender Geist:
  • Du sendest die Geistkraft Trösterin:
    Sie sei denen nahe, die durch die Pandemie verängstigt sind,
    die unter den Einschränkungen leiden
    oder sich in der Krise überfordert sehen.
    Du Lebensspendender Geist:
  • Du hast dich vom Geist Gottes leiten lassen:
    Er leite die Regierenden und die Vertreter der Staatsgewalt,
    in China, in den USA und weltweit.
    Du Lebensspendender Geist:
  • Dein Geist leite die Verantwortlichen in den Kirchen
    und alle Christinnen und Christen bei ihren Entscheidungen.
    Du Lebensspendender Geist:
  • Durch die Geistkraft wirkst du in allen:
    Sie ermuntere und beflügele auch uns,
    belebe die Erstarrten, ermutige die Mutlosen,
    stärke die Schwachen und inspiriere die Müden.
    Du Lebensspendender Geist:
  • Dein Geist ist unser Friede:
    Die Kraft des Geistes stärke die Kräfte des Friedens weltweit,
    im Osten der Ukraine und vielen anderen Kriegsgebieten, gerade in Afrika und Nahost.
    Du Lebensspendender Geist:
  • Sie stütze alle, die Frieden stiften,
    die Diplomaten und die Versöhnungsbereiten vor Ort,
    Frauen und Männer im Friedensdienst und Solidaritätsaktionen,
    die Soldaten in Blauhelm- und Friedensmissionen.
    Du Lebensspendender Geist:
  • Dich hat die Geist-Taube als den geliebten Sohn bezeugt:
    Ihr Geist wirke in allen Getauften,
    die ihre Geistesgaben gebrauchen zum Nutzen aller;
    sie vollende an unseren Verstorbenen, was in der Taufe grundgelegt war.
    Du Lebensspendender Geist:

Dass erneuert werde das Antlitz der Erde, erbitten wir
und vertrauen auf diese Kraft des Heiligen Geistes,
uns vom Vater geschenkt.
Ihn loben und preisen wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen

 

Vaterunser

Gebet des Bischofs i Zeiten der Pandemie

> 7. Sonntag der Osterzeit

Lesung: Joh 17,
In jener Zeit
   erhob Jesus seine Augen zum Himmel
und sagte:
   Vater, die Stunde ist gekommen.
Verherrliche deinen Sohn,
   damit der Sohn dich verherrlicht!
Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben,
damit er allen, die du ihm gegeben hast,
   ewiges Leben schenkt.
Das aber ist das ewige Leben:
dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen
und den du gesandt hast, Jesus Christus.
Ich habe dich auf der Erde verherrlicht
und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir
   mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte,
   bevor die Welt war!
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart,
   die du mir aus der Welt gegeben hast.
Sie gehörten dir
und du hast sie mir gegeben
und sie haben dein Wort bewahrt.
Sie haben jetzt erkannt,
   dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
Denn die Worte, die du mir gabst,
   habe ich ihnen gegeben
und sie haben sie angenommen.
Sie haben wahrhaftig erkannt,
   dass ich von dir ausgegangen bin,
und sie sind zu dem Glauben gekommen,
   dass du mich gesandt hast.
Für sie bitte ich;
nicht für die Welt bitte ich,
sondern für alle, die du mir gegeben hast;
denn sie gehören dir.
Alles, was mein ist,
   ist dein,
und was dein ist,
   ist mein;
in ihnen bin ich verherrlicht.
Ich bin nicht mehr in der Welt,
aber sie sind in der Welt
und ich komme zu dir.

 

 

Gedanken
Sie erinnern sich vielleicht noch an den Wahlzettel der letzten Europawahl.

Der Wahlzettel war über einen Meter lang.

Eine Vielzahl von Parteien, die sich zur Wahl gestellt hatten, waren darauf verzeichnet. Jede Partei mit einem anderen Programm – zumindest in einigen Aspekten -, ein buntes Bild von Meinungen, Vorschlägen und Ansichten über Europa, das menschliche Zusammenleben in der Welt, über Werte und die Politik.

So ist das bei den Menschen: die Ansichten über die Welt sind verschieden. Manchmal so verschieden, dass der Streit darüber heftig werden kann und manches nicht mehr vereinbar ist.

 

Wir müssen zugeben: so ist das auch in unserer Kirche – oder korrekter gesagt in unseren Kirchen. Viele Konfessionen mit vielen verschiedenen Deutungen und Ansichten darüber, wer Gott ist, was Kirche und wie Kirche sein soll. Manche  Kirchen haben sich in der Vergangenheit sogar mit Waffen bekämpft – manchmal grausam und unerbittlich. Denken sie an den 30-jährigen Krieg im Nachgang zur Reformation. Protestanten und Katholiken haben sich bis aufs Blut bekämpft. Der Hass und die Verletzungen wirken in der Spaltung der Konfessionen bis heute nach.

Als ob Jesus das damals schon geahnt hätte, als er sich, wie im Evangelium geschildert, von seinen Jüngern verabschiedete. „Ich will, dass ihr eins seid!“ sagt er ganz eindringlich immer wieder in seinem Abschiedsgebet.

Und doch gibt es immer wieder Streit und Auseinandersetzungen.

 

Was hat dieser Begriff „katholisch“, der ja auch in unserem Glaubensbekenntnis steht, schon alles angerichtet als Begriff der Abgrenzung. Bis heute sprechen viele evangelische Christen im Glaubensbekenntnis von der „christlichen“ anstatt der „katholischen“ Kirche.
Dabei hat das „katholische Kirche“ in unserem Credo zunächst nichts mit der katholischen Konfession zu tun. Als dieser Begriff im vierten Jahrhundert ins Glaubensbekenntnis kam, da gab es noch lange keine evangelische oder protestantische Konfession. Die entstand erst über 1000 Jahre später. „Katholisch“ bedeutet im Credo einfach nur weltumspannend. Und die Katholische Kirche, das war die Kirche auf der ganzen Welt, in all ihren Ausprägungen und Schattierungen.

 

Und wenn ich auf unsere katholische Kirche als Konfession schaue: auch die ist nicht so einheitlich und gleichförmig, wie man es immer meint. Sie ist bunt und vielfältig.

Da sind die afrikanischen Christen mit ihrer ganz anderen Art Gottesdienst zu feiern, als wir in Europa. Da sind die charismatischen Katholiken, die strengen traditionell glaubenden Katholiken und die sogenannten moderneren Katholiken mit ihrem neuen religiösen Liedgut oder die orthodoxen Christen, die mit Rom uniert sind.

Viele Schattierungen, viele Richtungen, aber alle sind sie katholisch – geeint unter einem Dach.

Und selbst unser Bistum Trier ist nicht einförmig, sondern vielfältig in den Ausprägungen und Meinungen. Im Streit um die Fortführung des synodalen Prozesses, in dem sogar die oberste Autorität in Rom angerufen wurde, kommt das deutlich zum Ausdruck.

 

Vielleicht hat Jesus es damals schon geahnt, wie sich seine Kirche entwickeln wird. Viele verschiedene Richtungen und Ausprägungen – viele Konfessionen und Glaubensrichtungen.

Was uns alle zusammenhält, das ist die Liebe.  Jesus sagt: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.“ In dieser Liebe gehören alle Christen des Weltkreises zu Jesus und zu Gott: in ihm und seiner Liebe sind sie alle eins. Von diesem einen Geist, dem Heiligen Geist, sind sie erfüllt und in diesem Geist gehören sie zusammen. In diesem einen Geist der Liebe sind alle Teil des Katholikos, – des christlichen Erdkreises – die sich zu Gott und seinem Sohn Jesus Christus bekennen und aus seinem Geist heraus leben.

Amen.

 

 

Fürbitten

 

Herr Jesus Christus,
deine Liebe zu den Menschen war vollkommen.

Deshalb soll auch uns die Liebe zu unseren Mitmenschen nicht halbherzig,

sondern ganz erfüllen und unser Leben bestimmen.

Dich bitten wir:

 

m Um große Weite in unserem Herzen,
damit wir niemanden von unserer Liebe ausschließen.
Christus, höre uns …

m Um Geduld und Ausdauer mit Menschen,
die unser Leben belasten.
Christus, höre uns...

m Um Fairness und Versöhnungsbereitschaft in Auseinandersetzungen auch innerhalb unserer Kirche.
Christus, höre uns ...

m Um offene Augen für Menschen in Not
und für Leid, das wir beseitigen könnten.
Christus, höre uns ...

m Um Offenheit und Wohlwollen gegenüber Menschen,
für die wir keine Sympathie empfinden.
Christus, höre uns ...

m Um die Kraft, Sterbenden in guter Weise beizustehen.
Christus, höre uns ...

Herr Jesus Christus,
du kommst mit deiner Liebe und deinem grenzenlosen Wohlwollen immer neu auf uns zu.
Dir vertrauen wir uns an, damit wir in der Begegnung mit dir in unserer Liebe wachsen und erstarken.
Dank und Lobpreis sei dir, der du uns trägst in deiner Liebe.

Amen.

 

Vaterunser

 

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> Christi Himmelfahrt

Evangelium: Mt 28, 16 - 20

In jener Zeit
   gingen die elf Jünger nach Galiläa
   auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
Und als sie Jesus sahen,
   fielen sie vor ihm nieder,
einige aber hatten Zweifel.
Da trat Jesus auf sie zu
und sagte zu ihnen:
   Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
Darum geht
   und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
tauft sie
   auf den Namen des Vaters und des Sohnes
   und des Heiligen Geistes

und lehrt sie,
   alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
Und siehe,
ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Gedanken

Das Gefühl allein gelassen zu sein, ist ein furchtbares Gefühl. Menschen, die einen Lebenspartner nach vielen gemeinsamen Jahren verlieren, können ein Lied davon singen. Ähnlich muss es den Aposteln nach dem Tod Jesu gegangen sein. Enttäuschung, Trauer, vielleicht sogar Zorn wird sie gequält haben. Bei den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus konnte man das ganz deutlich erleben. All das, was geschehen war, lag wie eine dunkle Decke über ihrem Leben.
In solchen Situationen können letzte Erinnerungen oder Worte hilfreich und tröstend sein.
Letzte Worte berühmter Personen werden oft und gern zitiert, wenn man etwas Wesentliches zu diesen Personen sagen möchte. Letzte Worte enthalten oft wichtige Erinnerungen und Hinweise für die Zukunft.
Und so ist es auch mit dem letzten Satz des Matthäusevangeliums. Er enthält eine Botschaft Jesu, die tröstlicher nicht sein könnte: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Es ist die gesamte Botschaft Jesu, die in diesem letzten Satz des Matthäusevangeliums mitschwingt: „Auch, wenn ich physisch nicht mehr bei euch bin, meine Liebe zum Vater und zu euch überwindet den Tod. Ich bin immer da, bei euch.“ Es klingt auch die Selbstoffenbarung Gottes im Buch Exodus mit an, als er dem Mose aus dem brennenden Dornbusch heraus seinen Namen offenbart: Ich bin der „Ich bin da“.
Es ist ein Gott, der den Kontakt zu uns will und ihn sucht. Wir brauchen uns ihm nur zu öffnen, mit ihm zu rechnen in unserem Leben. Dann werden wir seine Nähe erfahren und spüren können.
Im Matthäusevangelium sagt Jesus sein letztes Wort auf einem Berg in Galiläa. Dorthin hatte er sie gesandt. Galiläa: das ist der Ort, von dem die Jünger herkamen, ihr Heimat, wo sie den Alltag mit Jesus verbracht hatten.
In diesen Alltag schickt Jesus sie wieder zurück – dort will er bei ihnen sein. Dort sollen sie alle Menschen zu seinen Jüngern und Jüngerinnen machen, indem sie mit ihm im Herzen seine Botschaft weitersagen.
Jesus lässt uns nicht allein. An Pfingsten werden wir die Herabkunft des Heiligen Geistes feiern. An diesem Tag wird Petrus in der Lesung sagen: “Jesus, den ihr ans Kreuz geschlagen habt, er ist nicht tot – er lebt.“

Wir, die Gläubigen und die ganze Kirche können uns darauf verlassen, dass Christus immer in ihrer Mitte sein und sie nicht allein lassen wird.

In dieser Trostbotschaft liegt aber auch ein Auftrag: wir haben die Aufgabe diese Liebesbotschaft Gottes weiterzutragen, dort wo wir leben und vor allem wie wir leben.
Dasein mit dem liebenden Blick Jesu und achtsam, wo dieses Da- und Mit-sein gebraucht wird.

Amen.

 

 

 

Fürbitten:

Herr Jesus Christus,

du bist der in den Himmel erhöhte Herr.

Dir vertrauen wir all unsere Nöte an.
Wir bitten dich:

 

m Wir beten für den Papst und die Bischöfe,
dass sie die Zeichen der Zeit erkennen
und dort Neues wagen, wo du neues Leben aufbrechen lässt.
Dass der synodale Weg unserer Kirche von Trier weitergehen kann zum Wohl der Menschen in unseren Gemeinden.
Herr, Jesus Christus:

m Wir beten für alle, die sich Sorgen um die Zukunft der Kirche machen.
Schenke ihnen den Mut, Überlebtes loszulassen
und aus der Kraft des Heiligen Geistes neue Wege zu gehen.
Herr, Jesus Christus:

m Wir beten für alle, die in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie Angst vor der Zukunft und dem Verlust der Existenz haben müssen. Schenke ihnen Zuversicht aus der Gewissheit, dass du immer bei uns bist und mit uns gehst.
Herr, Jesus Christus:

m Wir beten für die Menschen in den Ländern Lateinamerikas, die derzeit besonders unter der Corona-Pandemie leiden.
Herr, Jesus Christus:

m Wir beten für unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde.
Schenke ihnen neues Leben in der anderen Welt,
in die du uns vorausgegangen bist.
Herr Jesus Christus:

Du, Herr, bist heimgekehrt zum Vater
und bist immer in Sorge um uns.
Dich preisen wir und dir danken wir
jetzt und in Ewigkeit. Amen.

 

 

Vaterunser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 6. Sonntag der Osterzeit

Lesung: 1 Petr 3, 15-18

 

Schwestern und Brüder!
Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen,
   der von euch Rechenschaft fordert
   über die Hoffnung, die euch erfüllt;
antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig,
denn ihr habt ein reines Gewissen,
damit jene,
   die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus
   in schlechten Ruf bringen,
   wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden.
Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden,
   wenn es Gottes Wille ist,
   als für böse.
Denn auch Christus ist der Sünden wegen
   ein einziges Mal gestorben,
ein Gerechter für Ungerechte,
   damit er euch zu Gott hinführe,
nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet,
   aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

  

Gedanken:

 

Zur heutigen Lesung aus dem ersten Petrusbrief habe ich eine besondere Beziehung. Als ich 1984,  gemeinsam mit 14 weiteren Diplomtheologen im Trierer Dom von Bischof Spital zum Dienst des Pastoralreferenten beauftragt wurde, hatten wir einen Vers aus dieser Lesung über unsere Beauftragungsfeier gesetzt: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ Wir haben diesen Satz als Hinweis, ja sogar als Auftrag, verstanden, wie wir unserem Dienst als Seelsorgerinnen und Seelsorger im Bistum Trier gerecht werden wollten. Noch heute begleitet mich dieser Vers.

Gerade heute, in den Entwicklungen, die in unserer Gesellschaft und in unserer Kirche vor sich gehen, ist er für mich immer noch ein wesentlicher Satz.
Er stellt mir ja schließlich die Frage danach, was Kirche eigentlich ist und warum ich möchte, dass diese Kirche lebt, trotz aller Zweifel und (manchmal berechtigten) Kritik an ihr.

Kirche soll für mich ein Ort der Hoffnung sein. Ein Ort der Hoffnung, dass es mehr gibt im Leben gibt als den Status Quo. Gerade jetzt, in der Zeit der Corona-Pandemie erleben wir diesen Aspekt unseres Lebens. Wir erleben, dass es nicht nur um praktisches und technisches Überleben geht (eigentlich schon viel zu hoch gegriffen für die Situation der meisten von uns). Das soziale Miteinander der Menschen ist wichtig und wesentlich. Das wird uns immer deutlicher, je länger der Zwang zur sozialen Distanzierung bestehen bleibt. Mir  persönlich fehlen die sozialen Kontakte auch in unserer Gemeinde sehr, die Erfahrung von Gemeinschaft in Gruppen oder im gottesdienstlichen Feiern. Letztendlich fehlt ein gutes Stück des Teilens unserer gemeinsamen Hoffnung. Auch Internetkontakte, Homepages und Lesepredigten können das nicht ganz ersetzen. Unser Glaube lebt von und in menschlichen Beziehungen. Hoffnung, Zuversicht, Mut – all das wird weitergegeben durch ein gutes Wort, einen freundlichen Blick, eine Geste der Zuwendung.
„Papier ist geduldig.“ Sagen wir manchmal; und ich glaube das Internet ist noch viel geduldiger. Wir müssen aneinander erleben, ob der andere es Ernst meint mit dem, was er glaubt, sagt und tut. Wir müssen sehen und erleben, dass Denken, Reden und Tun miteinander übereinstimmen.
„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ Dieser Vers ist mir wichtig geblieben bis heute. Aber immer mehr ist mir der voranstehende Vers im Laufe der Zeit mit in den Blick gekommen: „Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!“
Die Hoffnung, die uns trägt liegt in Jesus Christus begründet. Sie gründet eben auch in einer Beziehung. Sie gründet in der Beziehung zu Christus, den ich erlebe in den Worten der Bibel, in der Gemeinschaft der Gemeinde und in dem Geist Gottes, der mich immer wieder ansprechen und erfüllen will. 
Und es geht dann in unserer Kirche nicht darum, andere mit Normen und Gesetzen zu konfrontieren oder sie auf die Einhaltung bestimmter Lebensweisen einzuschwören. Es geht darum, in aller Demut und Bescheidenheit – so steht es im Petrusbrief – die Hoffnung zu teilen die mich trägt. Humorvoll hat es Papst Franziskus in einer Predigt aus dem Jahr 2013 einmal ausgedrückt: „Verkündigt das Evangelium, … und wenn es nötig sein sollte, dann auch mit Worten!“

 

Ein kleiner Text des verstorbenen Limburger Bischofs, Franz Kamphaus, sagt es folgendermaßen:

„Haben wir Gott nötig? Die Frage ist nicht aus der Luft gegriffen. Mancher denkt: "Eigentlich nicht nötig ... Die Sonne scheint auch ohne Gott, das Bier schmeckt auch ohne Gott, und der Rubel rollt auch ohne Gott. Ich brauche Gott nicht.”
In der Tat, Gott ist nicht nötig wie Geld und Bier. Wer Gott für sein Fortkommen gebrauchen will, geht leer aus. Meister Eckhart sagt: "Manche Menschen wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh ansehen. Sie wollen Gott lieben, wie sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So halten's alle jene Leute, die Gott um des äußeren Reichtums oder des inneren Trostes willen lieben. Die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutz.” Gott lässt sich von uns nicht gebrauchen wie Käse und Milch. Er möchte uns auf jener anderen Ebene begegnen, die uns sagen lässt: ,Ohne dich will ich nicht leben; nicht weil ich etwas von dir haben muss, sondern weil du du bist.
Ahnen Sie, was Pfingsten ist? Heiliger Geist? Geist ist Gabe. Der Heilige Geist ist nicht ein Ding, das ich gebrauchen kann wie Käse und Milch. Ich kann ihn auch auf frommem Wege nicht machen. Es gibt keine kirchlichen Fabriken, die ihn produzieren. Wir sind weder Macher noch Verbraucher des Geistes. Aber wir dürfen ihn empfangen: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Eigentlich nicht nötig? Gottes Geist ist so nötig, wie die Liebe nötig ist. "Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.”

 

Der Geist lebt in und durch die lebendige Beziehung zwischen Mensch und Mensch und zwischen Mensch und Gott.
Deshalb freue ich mich darauf, wenn Begegnungen wieder ganz spontan und vor allem real wieder möglich sein werden.

 

Fürbitten

Jesus verheißt den Seinen den Geist der Wahrheit und der Liebe.
In diesem Geist beten wir zu Gott in den Nöten unserer Tage:

 

Beten wir für die Christinnen und Christen, die anderen ein Vorbild sind.
Für gläubige Menschen, die wegen ihrer Lebensweise angefeindet werden.
Denken wir auch an jene, die an den eigenen moralischen Ansprüchen scheitern.
Sende aus deinen Geist

 

Wir beten für alle verunsicherten Menschen.
Wir denken an jene, die in diesen Tagen nach einfachen Wahrheiten suchen
und die sich von Verschwörungstheorien und falschen Nachrichten in die Irre führen lassen.
Sende aus deinen Geist

 

Wir beten für die Männer und Frauen, die vor ihrer Zukunft Angst haben.
Für die vielen in Kurzarbeit und alle, die arbeitslos geworden sind.
Für Unternehmer und Unternehmerinnen, die ihre Betriebe aufgeben müssen.
Sende aus deinen Geist

 

Wir beten für die Pflegekräfte und alle,
die sich in den Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen
für das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen einsetzen.
Für alle, die von schlechten Arbeitsbedingungen belastet sind.
Sende aus deinen Geist

 

Wir denken an die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer.
Für alle, die sich zur Zeit an einen neuen Schulalltag gewöhnen.
Für die Kinder, die weiterhin zuhause bleiben müssen,
und ihre Eltern, die sie betreuen.
Sende aus deinen Geist

 

Beten wir für die Bürgerinnen und Bürger in Israel und für ihre neue Regierung.
Für alle, die eine friedvolle Zukunft im Heiligen Land mitzugestalten versuchen.
Sende aus deinen Geist

 

Wir beten für alle Opfer von Gewalt
und denken besonders an die Toten und Verletzten
beim Anschlag auf die Geburtsklinik in Kabul.
Sende aus deinen Geist

 

Guter Gott, du sendest deinen Geist des Trostes und der Zuversicht allen,
die dich darum bitten.
Darum danken wir dir jetzt und in Ewigkeit. Amen.

 

Vater unser

 

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 5. Sonntag der Osterzeit

Evangelium:  Joh 14, 1 - 12

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern:
Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.
Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt:
   Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
Wenn ich gegangen bin
   und einen Platz für euch vorbereitet habe,
   komme ich wieder und werde euch zu mir holen,
   damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm:
   Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst.
Wie können wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm:
   Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater außer durch mich.
Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.
Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater;
das genügt uns.
Jesus sagte zu ihm:
   Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus?
Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.
Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?
Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst.
Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist;
wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
Amen, amen, ich sage euch:
Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen
und er wird noch größere als diese vollbringen,
denn ich gehe zum Vater.

 

Gedanken

 

„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“  Diese Worte stehen am Beginn der ersten Abschiedsrede Jesu im Johannesevangelium. Es wurde geschrieben etwa ein halbes Jahrhundert nach Jesu Tod und Auferstehung. Der Tempel in Jerusalem war inzwischen von den Römern zerstört worden. Das jüdische Reich gab es nichtmehr. Und die Christen, die auf die Wiederkunft Jesu warteten wurden vom römischen Kaiser verfolgt. In dieser Situation, in der die erste Begeisterung für Jesus und seine Botschaft hart auf die Probe gestellt wurde, in der die Fragen und Zweifel wuchsen, ob Jesu Botschaft das Leben überhaupt tragen kann, möchte der Evangelist seiner Gemeinde Mut machen. Er möchte ihnen Kraft geben durchzuhalten und der Botschaft Jesu treu zu bleiben.
Vielleicht ist es auch das Gefühl der Heimatlosigkeit, das die Christen dieser Zeit prägte. Sie waren keine Juden mehr, aber sie waren auch keine Griechen oder Römer. Wo waren sie beheimatet und wo gehörten sie letztendlich hin?
Dabei geht es nicht so sehr um die vier Wände und das Dach über dem Kopf, das jeder Mensch braucht und das auch wichtig ist. Bei einer diakonischen Führung durch Hamburg zeigte uns unser Führer einige Obdachlose auf der Straße und meinte in Hamburg lebten im Sommer etwa 8000 Menschen als Obdachlose. Für sie ist eine Wohnung etwas, das Überleben bedeutet. Aber Wohnung – Heimat – bedeutet mehr.

Es ist ein Gefühl, das viele Menschen auch heute wieder gut nachvollziehen können, das Gefühl heimatlos zu sein, keine innere Basis zu haben, auf der ich stehe und von der aus ich mein Leben gestalten kann. Geistlich und geistig eine Heimat zu haben, eine innere Mitte, das ist lebenswichtig für uns Menschen. Es gibt uns Halt und Standfestigkeit im Leben, gibt uns Kraft du Stärke, unser Leben zu gestalten.

Und Jesus bietet seinen Jüngern – und uns – in dieser Abschiedsrede solch ein Zuhause, solch eine Wohnung an, die mehr ist als nur ein Dach über dem Kopf. Er bietet uns eine Wohnung an, die echte Heimat sein kann, eine echte Mitte für unser Leben.

Wir können diese Heimat finden, wenn wir uns an ihm, an seinen Worten und vor allem an seinem Leben und Sterben orientieren. Er ist der Weg zu dieser Heimat. Denn diese Heimat ist kein Ort, kein materielles Haus. Es ist die Geborgenheit in der Liebe des himmlischen Vaters. Eine unendliche Kraftquelle für unser Leben, eine Heimat, die uns tragen kann, wenn nichts anderes mehr unser Leben trägt. Den Weg zu dieser Heimat finden können wir, wenn wir auf Jesus schauen. In seinem Wesen können wir Gott entdecken und erkennen. Jesus Christus ist gewissermaßen das „weltliche“, das „menschliche“ Bild Gottes für uns. Er und der Vater sind eins.

Wenn wir ihm nachfolgen, seinen Weg selbst zu gehen versuchen - Jesus sagt: wenn wir an ihn glauben, – dann kommen wir dieser Heimat näher, weil wir sie gewissermaßen schon in uns tragen. Ja, das Vertrauen in Jesus gibt uns die Kraft, die Werke zu vollbringen, die er vollbracht hat, ja sogar noch größere.

Ein unglaublicher Zuspruch, der mir Mut macht, mir hilft durchzuhalten, wenn der Weg schwierig wird und auch schon mal Zweifel auftauchen. Eine Heimat, die mich trägt und mir leben hilft auch in stürmischen Zeiten des Lebens.

 

 

 

 

Fürbitten

 

In unseren eigenen Herausforderungen und den Nöten der ganzen Welt
sind wir berufen, an das Leben zu glauben.  
Wir wollen uns und unser Herz nicht verwirren lassen
und beten voll Vertrauen:

Für alle Verantwortlichen,
die in diesen Tagen weitreichende Entscheidungen treffen müssen.
Für alle, die rund um die Uhr Schutzkonzepte umsetzen
und sich in ihrem alltäglichen Tun an neue Abläufe gewöhnen müssen.
Für Einzelhändler, für Schul- und Kita-Leitungen und ihre Mitarbeiterinnen
und für alle Menschen im öffentlichen Dienst.
Du, Gott des Lebens.

 

Für alle Eltern und Kinder, die durch die aktuelle Situation schwer belastet sind.
Für die Kinder, die zu Hause lernen sollen und denen Unterstützung fehlt.
Du, Gott des Lebens.

 

Für die Eltern, die Existenznöte erleben,
und für alle, die jetzt besonders unter Aggression und Gewalt leiden.
Du, Gott des Lebens.

 

Für alle, die sich eine neue Normalität erhoffen.
Für die Menschen, die sich durch die Grenzöffnungen wieder begegnen können,
und für Nachbarinnen und Nachbarn, die immer noch durch Grenzen getrennt sind.
Du, Gott des Lebens.

 

Für alle, die Freundinnen und Freunde wiedersehen;
für Menschen und Gemeinden, die wieder gemeinsam Eucharistie feiern können.
Du, Gott des Lebens.

 

Für alle Menschen, die den zweiten Weltkrieg erlebt haben.
Für die, die in diesen Tagen besonders an das Kriegsende erinnern
und Frieden und Gerechtigkeit für Europa und die ganze Welt fordern.
Für alle Menschen in den aktuellen Kriegs- und Krisengebieten der Welt.
Du, Gott des Lebens.

 

Für alle, die ausgerechnet in diesen Tagen ein neuer Antisemitismus bedrückt;
für Menschen, die falschen „Nachrichten“ ausgeliefert sind
und Hassreden und Verschwörungsgeschichten hören oder ihnen glauben. Du, Gott des Lebens.

 

Guter Gott, durch deinen Sohn zeigst du uns,
wie Leben selbst im Tod gelingen kann.
Für diese Hoffnung danken wir dir
heute und alle Tage unseres Lebens und in Ewigkeit.
Amen.

 

Vater unser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 03.05.2020 4. Sonntag der Osterzeit

Evangelium:  Joh 10,1-10

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus:
Amen, amen, ich sage euch:
Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht,
   sondern anderswo einsteigt,
   der ist ein Dieb und ein Räuber.
Wer aber durch die Tür hineingeht,
ist der Hirt der Schafe.
Ihm öffnet der Türhüter
und die Schafe hören auf seine Stimme;
er ruft die Schafe,
   die ihm gehören, einzeln beim Namen
   und führt sie hinaus.
Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat,
geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm;
denn sie kennen seine Stimme.
Einem Fremden aber werden sie nicht folgen,
sondern sie werden vor ihm fliehen,
   weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus;
   aber sie verstanden nicht den Sinn dessen,
   was er ihnen gesagt hatte.
Weiter sagte Jesus zu ihnen:
Amen, amen, ich sage euch:
   Ich bin die Tür zu den Schafen.
   Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber;
   aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
Ich bin die Tür;
   wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden;
er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
Der Dieb kommt nur,
   um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten;
ich bin gekommen, damit sie das Leben haben
   und es in Fülle haben.

 

Gedanken:

An unserer Hermeskeiler Tafel wird jedem Tafelkunden eine Nummer zugeteilt. Die steht auch auf seiner Berechtigungskarte. Nach dieser Nummer wird der Einlass zur Tafel geregelt, damit die Ausgabe gut ablaufen kann. Wenn ich Dienst habe und an der Rezeption dann nach der Nummer frage und anschließend dann den Namen nenne, kommt oft ein Lächeln zurück. Die Anrede mit dem Namen ist wichtig, denn sie besagt dem Gegenüber: ich kenne dich, ich nehme dich als Person wahr. Und das ist bei Menschen, die in unserer Gesellschaft oft nicht mehr deutlich wahrgenommen, manchmal sogar an den Rand gedrängt werden, lebenswichtig. Und wenn ich dann nach einiger Zeit den ein oder anderen Namen weiß, ohne in die Liste zu schauen, dann öffnet sich das Gegenüber manchmal und beginnt zu erzählen, von der kranken Mutter, von den eigenen Sorgen und Nöten, von den Steinen, die auf dem eigenen Leben liegen. Mit Namen ansprechen signalisiert: „Ich kenne dich!“ Und es mit offenem Blick und freundlich zu tun signalisiert: „Du bist mir jetzt wichtig! Du selbst bist gemeint.“ Das schaftt Beziehung und Vertrauen.

Im heutigen Evangelium da sagt Jesus, der gute Hirte: die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.“
Er betont: der gute Hirte kennt die Seinen und die Seinen kennen ihn.
Schon bei unserer Taufe spielt der Name eine wichtige Rolle: Es heißt nicht einfach nur: „Kind, ich taufe dich …“ oder gar „Christ Nr. xxx“. Es wird vielmehr der Name genannt und der Täufling mit diesem Namen angesprochen.
Von Hub Oosterhuis gibt es ein Verabschiedungsgebet für Verstorbene. Darin heißt es:

„Brüder und Schwestern. um diesem Menschen
die letzte Ehre zu geben,
um seinem Leben und Sterben gerecht zu werden,
stehen wir hier an seinem Sarg./seiner Urne

Wir richten unsere Augen auf das Kreuz Jesu Christi,
und in tastendem Glauben sprechen wir aus:
dies ist das Ende nicht,
und unser Gott ist ein Gott der Lebenden.

Mehr als sein Leib
ist uns der Name dieses Menschen geblieben‑
… (der Taufname wird genannt)
Diesen Namen sprechen wir hier aus,
nennen ihn mit Ehrfurcht und Zuneigung und bitten:

Herr, Gott, erinnere dich seines Namens,
den er/sie von Menschen empfangen hat,
in dem man ihn/sie kennt
auch nach seinem/ihrem Tode,

der Name, den du geschrieben hast in die Fläche deiner Hand.“
Deshalb schreiben wir sogar auf unsere Gräber noch den Namen dessen, der dort seine letzte Ruhe gefunden hat. Der Name soll nicht vergessen werden.

Der gute Hirt kennt die Namen jedes einzelnen und ruft jeden beim Namen. Jeder einzelne ist ihm wichtig, jeden einzelnen liebt der gute Hirte – mit all dem, was mit diesem individuellen Namen verbunden ist. Zum Namen gehört auch all das, was wesentlich ist für diesen Menschen, das Leben mit seiner ganzen wechselvollen Geschichte. Und dieser Hirte, Jesus,  möchte, dass alle das Leben haben – und zwar das Leben in Fülle. 
Dies alles macht mir diese Zeit der Corona-Krise mit all ihren Folgeerscheinungen deutlich bewusst.

Jesus setzt dem sein Bild des guten Hirten entgegen – und er füllt dieses Bild mit seinem eigenen Leben, Sterben und Auferstehen. Diesem Hirten können wir wirklich unser Vertrauen schenken!
Amen.

Fürbitten:

Jesus Christus ist der gute Hirte.
Er sammelt und führt die Menschen und verheißt uns und allen Leben in Fülle.
So dürfen wir in unseren Anliegen zu ihm beten:

 

Für alle Menschen, deren Leben aus den Fugen geraten ist

und denen nun Orientierung und Halt fehlen.

Jesus, du guter Hirte:

 

Für die Menschen, die in Lebensberatungsstellen und Seelsorge
und im Alltag anderen zuhören und ihnen helfend zur Seite stehen.
Jesus, du guter Hirte:

 

Für die Frauen und Männer,
die infolge der Corona-Pandemie von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen sind.
Jesus, du guter Hirte:

 

Für alle, die jetzt verstärkt nach fairen Lösungen für den Arbeitsmarkt suchen
und für gerechte und angemessene Bezahlung sorgen können.
Jesus, du guter Hirte:

 

Für die Politikerinnen und Politiker, deren Entscheidungen weitreichende Folgen haben. Für alle, die sich auch weiterhin um ein solidarisches Miteinander
und angemessene Lockerungen bemühen.
Jesus, du guter Hirte:

 

Für alle Menschen, deren Leben durch Covid19 oder andere schwere Krankheiten bedroht ist.
Für alle, die in Medizin und Wissenschaft nach Medikamenten und Impfstoffen forschen, die zur Heilung dienen.
Jesus, du guter Hirte:

 

Für die Christinnen und Christen,
die in dieser Krisenzeit in Freude und Entschiedenheit ihren Glauben bezeugen -
in physischem Abstand und innerer Nähe zu den Menschen.
Jesus, du guter Hirte:

 

Wir beten besonders für junge und ältere Menschen, die eine Geistliche Berufung spüren und diesem Ruf von Gott folgen möchten;
für alle, die sich auf einen Dienst in der Kirche vorbereiten.
Jesus, du guter Hirte:

 

Jesus Christus, du rufst uns Tag für Tag neu, dir zu folgen;
du begleitest unsere Wege.
Dafür danken wir dir und preisen dich
mit Gott, dem Vater und dem Heiligen Geist
heute, alle Tage unseres Lebens und in Ewigkeit. Amen.

 

Vater unser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 25.04.2020 3. Sonntag der Osterzeit

Evangelium: Joh 21,1-19


In jener Zeit
   offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal,
   am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus,
   Natanaël aus Kana in Galiläa,
   die Söhne des Zebedäus
   und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen.
Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit.
Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.
Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.
Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen:
   Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen?
Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sagte zu ihnen:
   Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus
   und ihr werdet etwas finden.
Sie warfen das Netz aus
   und konnten es nicht wieder einholen,
so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus:
   Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei,
   gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war,
und sprang in den See.
Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot
   - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt,
   nur etwa zweihundert Ellen -
und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen,
   sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer
   und darauf Fisch und Brot liegen.
Jesus sagte zu ihnen:
   Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land.
Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt,
und obwohl es so viele waren,
   zerriss das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst!
Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du?
Denn sie wussten, dass es der Herr war.
Jesus trat heran,
nahm das Brot und gab es ihnen,
ebenso den Fisch.
Dies war schon das dritte Mal,
   dass Jesus sich den Jüngern offenbarte,
   seit er von den Toten auferstanden war.

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,


nun ist es schon der fünfte Sonntag in Folge, an dem wir Gottesdienstnur über die Medien feiern können. Dabei sind Gottesdienste so extrem wichtig für eine kirchliche Gemeinschaft. Schließlich hat Jesus gesagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Und im Evangelium des Ostermontag haben wir von den Jüngern gehört, die Jesus beim Brotbrechen erkannt hatten. Gottesdienst – vor allem auch die Eucharistie – ist ein wichtiger Ort der Gotteserfahrung. In ihr wird das „Geheimnis des Glaubens“, der Tod und die Auferstehung Jesu Christi, in die Mitte der Gemeinschaft gestellt und gegenwärtig in Brot und Wein. In der heiligen Eucharistie kommen wir Jesus ganz nahe oder sagen wir besser: er selbst kommt uns ganz nahe in den Gestalten von Brot und Wein. Er begibt sich selbst in die Mitte unserer Gemeinschaft. Er stärkt jeden Einzelnen von uns und formt unsere Gemeinschaft in den Gemeinden, gibt ihr eine Mitte. Aber heißt das, dass wir ohne die Erfahrung von Christus leben müssen, wenn uns der Gottesdienst, vor allem die Eucharistiefeier, fehlt?
Im heutigen Evangelium erfahren wir, dass das nicht so ist.


Jesus kommt dorthin, wo die Menschen sind, in ihren Alltag, den Alltag der Fischer am See Genesareth. Und er kommt nicht nur zu den erfolgreichen, den Glücklichen. Im Evangelium kommt er gerade zu den erfolglosen, den frustrierten und enttäuschten. Eine ganze Nacht haben sie auf dem See verbracht und immer wieder die Netze ausgeworfen. Nichts haben sie gefangen. Ihre Netze sind leer geblieben.


Jesus kommt zu ihnen und macht ihnen Mut: gebt nicht auf, probiert es nochmal – aber anders. „Werft die Netze auf der rechten Seite aus und ihr werdet etwas finden!“ Eröffnet euch neue Möglichkeiten. Das ist es, was ich an vielen Orten und in vielen Situationen erlebe: Menschen hören nicht einfach auf und warten frustriert ab: sie sind kreativ und probieren neue Möglichkeiten aus, das zu bewahren, was wichtig ist für unser Leben und unsere Gemeinschaft. Es war toll zu erleben, dass Vor dem Osterfest Kinder kleine Osterkerzen gestaltet haben für die Kranken unserer Pfarrei. Wir konnten diese mit einem Gruß weitergeben an die Menschen, die derzeit auf die Hauskommunion verzichten müssen. Auch das war sicher eine Form der „Kommunion“, der Gemeinschaft. Das bedeutet das lateinische Wort Communion nämlich. Es war ermutigend, wie viele Menschen sich für die alternative Lebensmittelausgabe im Pfarrhaus eingesetzt haben mit Geld oder Lebensmittelspenden, um bedürftige Menschen trotz der Tafelschließung  zu unterstützen. Auch das eine Form von Kommunion.


Sicher, vieles davon ist auch Aktivismus, vieles wird, wenn die Zeiten wieder „normaler“ werden, wieder verschwinden. Manches wird hoffentlich auch bleiben als eine neue Entdeckung, die unser Leben bereichert und die Gemeinschaft zusammenhält.


Jesus sagt: „Fahrt wieder hinaus und werft die Netze neu aus, aber anders.“ Die Jünger machen die Erfahrung, dass ihre Netze danach reichlich gefüllt sind. Vielleicht ja auch wir heute.


Vielleicht entdecken wir neu und intensiver den Jesus, der mitten in unseren Alltag kommt, der dabei ist – was immer wir auch tun und wo immer wir auch sind. Vielleicht entdecken wir den Jesus, der uns Kraft gibt für diesen so manches Mal mühseligen Alltag. Vielleicht entdecken wir sogar den Jesus, der mit uns gemeinsam Mahl hält – Communio feiert – bei uns zuhause am Mittagstisch. Er möchte mit dabei sein, so wie bei den Jüngern am See.


In den Medien, sogar in Werbungen, fällt derzeit immer wieder der Ausdruck: „in dieser so besonderen Zeit“. Manchmal möchte ich diesen Ausdruck nicht mehr hören: Ist diese Zeit denn so besonders? Eigentlich ist sie doch nur anders. Vielleicht gibt sie uns neu die Möglichkeit,  mit veränderter Perspektive auf unseren Alltag zu schauen und den Reichtum zu entdecken, der uns darin schon geschenkt ist.

 

Amen.

 

Fürbitten

In Zeiten der Krise sind auch wir manchmal wie mit Blindheit geschlagen.
Wir wollen unsere Augen öffnen für die Menschen in Not
und sie dem Gott des Lebens anvertrauen:

  • Für die an Covid19 Erkrankten
    und für diejenigen, die um ihr Leben kämpfen.
    Für alle, die in Medizin und Pflege tätig sind.

 

  • Für Forscherinnen und Forscher und alle,
    die Entscheidungen treffen müssen
    in Politik, Verwaltung und Unternehmensleitungen.

 

  • Für alle, die weiterarbeiten im Einsatz für andere.
    Für alle, die die Arbeit wieder aufnehmen können.
    Für alle, die weiterhin von Beschränkungen existenziell betroffen sind.
    Für die Feuerwehr-Männer und -Frauen, die bei Tschernobyl und anderswo
    Moor- und Waldbrände bekämpfen.

 

  • Für die Abiturientinnen und Abiturienten
    und für alle Schülerinnen und Schüler,
    die wieder zur Schule gehen können.
    Für alle, für die weiterhin nur Homeschooling möglich ist.

 

  • Für die Erkrankten und die von Corona Betroffenen
    in Ländern mit mangelnder staatlicher Hilfe.
    Für Menschen auf der Flucht oder in überfüllten Lagern.

 

  • Für die Besorgten und für die Sorglosen,
    für die Ungeduldigen und für die Mahnerinnen und Mahner,
    für die Überforderten und für die Gelangweilten.
    Für Norbert Blüm und alle, die um ihn trauern.

 

  • Für die Einsamen,
    für alle, die Nähe vermissen,
    für alle, die nicht wagen, um Hilfe zu bitten.
    Für alle, die Begleitung und Beistand bieten – so, wie es möglich ist.

 

  • Für unsere muslimischen Nachbarn
    und für alle, die unter vielen Einschränkungen den heiligen Fastenmonat Ramadan feiern.
    Für alle, die an den einen Gott glauben;

 

  • für alle, die aktiv Frieden suchen und stiften - auch zwischen den verschiedenen Religionen.

 

  • Eigentlich würde unser Bistum in diesen Tagen die Heilig Rock-Tage feiern.
    Wir beten für alle, die sich der Kirche von Trier verbunden wissen
    und die beten und handeln, damit Gott zusammenführt, was getrennt ist.

 

Du, unser Gott, hast Jesus Christus ins neue Leben geführt;
begleite auch uns in aller Not und Bedrängnis
und lass uns das neue Leben erfahren,
das du uns schenken willst, heute und in deiner Ewigkeit. Amen



Vater unser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 19.04.2020 Weißer Sonntag

Evangelium:

Joh 20,19-31


Am Abend dieses ersten Tages der Woche,
   als die Jünger aus Furcht vor den Juden
   bei verschlossenen Türen beisammen waren,
   kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten
   zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat,
   so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an
und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen;
denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf,
   war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm:
   Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen:
   Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
   und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
   und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt
und Thomas war dabei.
Da kam Jesus bei verschlossenen Türen,
trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas:
   Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite
und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sagte zu ihm:
   Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm:
   Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen
   hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,
   die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
Diese aber sind aufgeschrieben,
   damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist,
der Sohn Gottes,
und damit ihr durch den Glauben
   Leben habt in seinem Namen.

 

2. Sonntag der Osterzeit 2020- Weißer Sonntag

 

Gedanken

 

Gerade vor einer Woche haben wir Ostern, das Fest der Auferstehung Christi von den Toten gefeiert, morgen ist der Weiße Sonntag. Zahlreiche Kinder aus unserer Pfarrei und anderswo hatten ihr Fest der ersten heiligen Kommunion geplant und sich lange darauf vorbereitet. Die Corona-Krise hat es erst einmal notwendig gemacht, es zu verschieben. 50 Tage nach Ostern ist Pfingsten, dann der Dreifaltigkeitssonntag, dann Christi Himmelfahrt, dann Fronleichnam … solange, bis der Reigen der Festtage wieder von vorne beginnt. Und dazwischen die ganz normalen Sonntage, eigentlich auch kleine Abbilder des großen Osterfestes. Aber sind unsere Feste eigentlich noch echte Festtage, die wir wirklich begehen? Oder sind unsere Feste nur zu willkommenen freien Tagen geworden, die wir mitnehmen und mit allerlei Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen füllen können? Und unsere Sonntage: werden sie noch als Sonntag, als kleines Osterfest, gefeiert oder haben sie sich einfach nur zu Wochenenden verwandelt.

 

Kinder leben noch im Jahreskreis. Unbewusst und von Natur aus. Die Festtage im Jahreskreis sind für sie so etwas wie Fixpunkte oder Haltepunkte, auf die sie sich freuen. Sie strukturieren das Jahr und geben ihnen Sicherheit und Halt, so etwas wie Orientierung im Zeitenlauf ihres Lebens. Kinder legen auch Wert darauf, dass Feste erkennbar bleiben, dass Symbole und Zeichen auf sie hinweisen und zwar immer wieder die gleichen – Kinder sind da sehr konservativ im Sinne von bewahrend. So leben wir Erwachsenen heute oft nicht mehr und die Gesellschaft, die Wirtschaft, lässt es auch immer weniger zu. Alles muss „in“ sein, im Trend, modern, immer wieder anders und neu. Wir leben auf einer Linie, die Fortschritt und Veränderung genannt wird und wir verlieren dabei oft etwas Wichtiges in unserem Leben: unsere Mitte.

 

Denn das ist die wichtige Funktion unserer Feste und Feiern, besonders der religiösen, uns immer wieder zurück zu binden an eine Mitte, an einen Sinn, an etwas, das unser Leben zu tragen im Stande ist. Nichts anderes heißt übrigens Religion: vom lateinischen religere: sich zurückbinden, sich fest machen: an der Gemeinschaft, in der wir leben, an die Mitte unseres Lebens, an den Sinn unseres Lebens – wir Christen sagen dazu Gott.

 

Menschen, die nicht mehr feiern können, die verlieren ihre Mitte. Es geht ihnen mit ihrem Leben wie mit einem Rad, das keine Mitte mehr hat, es wird immer unruhiger laufen und irgendwann sogar aus der Spur kommen oder zerbrechen.

 

In den Lesungen der Osterzeit bis Pfingsten hören wir immer wieder, - und auch im heutigen Evangelium wieder – dass die Jünger sich am ersten Tag der Woche trafen, einander ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit Jesus erzählten und das Brot miteinander brachen. So hatte es ihnen Jesus am Gründonnerstag aufgetragen: zu meinem Gedächtnis tut es, immer wieder, damit ihre nicht vergesst, wer ich für euch bin und was ich für euch getan habe. Und auch damals schon gab es Menschen, die ihre Schwierigkeiten damit hatten. „Ich kann nicht glauben, dass Jesus wirklich auferstanden ist“, sagt Thomas, der Zweifler, „ehe ich nicht die Hände in seine Wunden gelegt habe.“

 

Wie würden wir uns in einem solchen Fall verhalten? Wie machen es heute viele Menschen? Sie sagen: „Ich kann das nicht mehr glauben, darum kann ich doch genauso gut wegbleiben. Es bringt mir nichts, deshalb gehe ich da nicht mehr hin. Es ist doch ehrlicher, wenn ich nur dann das alles mitmache, wenn ich das Bedürfnis danach habe.“

 

Thomas im heutigen Evangelium dagegen macht es anders: er kehrt der Gemeinschaft nicht den Rücken, er bleibt dabei – trotz seiner erheblichen Zweifel. Er feiert weiter mit der kleinen gefährdeten Gemeinschaft und darf erleben, dass ihm die Mitte, die er nach Jesu Tod verloren hatte, neu geschenkt wird. Seine Beziehung zu Jesus, dem Auferstandenen, wird tiefer, persönlicher, weil er nicht fortgeht, sondern dabeibleibt.

 

Vielleicht kann so ein Thomas, in seinen Zweifeln und Fragen, einer, der uns heutigen Menschen sehr nahe steht, uns vielleicht sogar sympathisch ist, auch ein Vorbild sein: nicht immer nur dem spontanen Bedürfnis, der Lust, manchmal auch der Bequemlichkeit folgen, sondern dabei zu bleiben. Auch wenn uns unsere Feste manchmal wie Folklore vorkommen und wir sagen müssen: ich verstehe zur Zeit nicht, was das soll, kann das nicht glauben.

 

Gerade Eltern heute sollten ihren Kindern das vermitteln, indem sie mit ihnen zusammen die angebotenen Haltepunkte, die Feste im Jahreskreis begehen, die Sonntage so feiern, dass sie uns erleben lassen, was Freiheit der Kinder Gottes wirklich bedeutet: Die Woche beginnt mit dem freien Tag, nicht mit der Arbeit. Längst bevor wir etwas leisten, leben wir schon. Das Wichtigste im Leben können wir nicht selbst machen oder verdienen, es ist uns geschenkt. Das Leben selbst ist uns geschenkt. Wir verdanken uns Gott, wir sind von ihm bejaht. Dafür steht der auferstandene Jesus Christus. Er verbürgt uns Leben über den Tod hinaus. Der Sonntag ist der Tag seiner und unserer Auferstehung.

 

Darum sollten die Sonntage, die Feiertage uns Christen heilig sein. Sie sind nicht irgendwelche freie Tage, die man nach Belieben in der Woche herum schieben oder sogar streichen könnte. Sie sind ein Geschenk Gottes, das unserem Leben Richtung gibt und Freiheit: Im Zeichen der Auferstehung geht der Weg vom Tod zum Leben.

 

Und das hat durchaus etwas mit der aktuellen Wertediskussion zu tun. Menschen, die ihre Mitte nicht verloren haben, die eine geistige, eine geistliche Heimat haben, wissen wohin sie gehören und für was sie mit ihrem Leben stehen. Solche Menschen haben zwangsläufig Werte und leben sie auch. Sie sind nicht so empfänglich für populistische Parolen und schnelle Lösungen.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass sie die Feste im Jahreskreis immer wieder neu entdecken und feiern können und einen frohen Sonntag, morgen und jede Woche aufs Neue. … und hoffentlich bald das (nachgeholte) Fest der ersten heiligen Kommunion. Amen.

 

 

Fürbitten

Sorge und Zweifel bestimmen auch heute für viele Menschen das Leben.
Für sie und auch für uns wollen wir beten:

  • Wir beten für alle Menschen,
    die unter der Corona-Virus-Pandemie leiden
    und unter deren Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft –
    in Deutschland und Europa und überall auf der Welt.
    Guter Gott:

 

  • Für die Verantwortlichen in Wissenschaft und Politik,
    die sich um einen ausgewogenen und behutsamen Ausstieg aus den Einschränkungen bemühen;
    besonders auch für diejenigen, deren Blick dabei auf alle Menschen gerichtet ist –
    über die eigenen nationalen Interessen hinaus.
    Guter Gott:

 

  • Für die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten,
    für Pflegerinnen und Pfleger in den Senioren-Einrichtungen,
    die sich um besonders Schutzbedürftige kümmern;
    und für alle, die nach Mitteln und Wegen forschen,
    um Menschen zu heilen und alle nachhaltig zu schützen.
    Guter Gott:

 

  • Wir beten für die Menschen,
    die seit Wochen in Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln ausharren,
    insbesondere für die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen,
    deren Aufnahme in Europa zugesagt worden ist.
    Guter Gott:

 

  • Für die vielen Menschen,
    die sich jetzt wieder in Booten auf das Mittelmeer wagen,
    weil sie für sich und ihre Familien eine menschenwürdige, sichere Zukunft in Europa erreichen wollen.
    Guter Gott:

 

  • Beten wir auch für alle Menschen, die ihre Hoffnung im Glauben spüren
    und ihr Vertrauen auf die Gemeinschaft in ihren Kirchen setzen;
    und für die vielen, die die Botschaft des Evangeliums auch unter den Bedingungen des Versammlungsverbots zu den Gläubigen und in alle Welt tragen.
    Guter Gott:

 

  • Für die Menschen, die sich ein Jahr nach dem verheerenden Brand
    für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre Dame in Paris einsetzen.
    Guter Gott:

 

  • Wir beten für alle Kinder,
    die sich auf ihre Erstkommunion vorbereitet und gefreut haben, und für ihre Familien.
    Guter Gott:

 

  • Für alle, die ihre Kranken und sogar die sterbenden Angehörigen
    nicht besuchen und begleiten dürfen;
    für alle, die sich nach menschlicher Nähe in ihrer Einsamkeit sehnen.
    Guter Gott:

 

Du bist der Auferstandene, der uns ein Leben in Fülle zugesagt hat.  Dich loben und preisen wir, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

 

Vaterunser

 

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 12.04.2020 Ostern

Evangelium

Mk 16, 1-8

1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. 2 Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. 3 Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? 4 Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. 5 Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. 6 Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wohin man ihn gelegt hat. 7 Nun aber geht und sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. 8 Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.

 

Mit Osteraugen sehen

 

„Kommen sie herein und sehen sie …!“

 

so haben die Marktschreier in früheren Zeiten auf den Jahrmärkten gerufen.

 

„Kommen sie und sehen sie …!“ rufen heute die Bilder der Werbung, wenn sie uns das Neueste, das angeblich Wichtigste und Entscheidende für unser Leben präsentieren. Ja wir müssen sogar sagen, das schreien die Werbebilder uns entgegen, denn die Bilder werden immer schneller, immer greller und bunter. Was noch gesehen werden will in der Menge der Reize, das muss eben schreiend und grell auftreten.

 

Das Osterevangelium des Evangelisten Markus, ist das schlichteste von allen. Da ist nichts vom Erdbeben oder dem grellen Blitz zu lesen, wie bei Matthäus. Da sind auch nicht die zwei Männer in leuchtenden Gewändern, die auf die Frauen zutreten, wie es Lukas berichtet. Ganz einfach, kurz und knapp wird davon berichtet, wie die zwei Frauen zum Grab kommen und welche Frage sie dabei bewegt: die einfache und praktische Frage, wer ihnen wohl den schweren Stein wegwälzen wird, der vor dem Eingang des Grabes liegt. Und zwischen den Zeilen kann man die Trauer der Frauen erahnen, ihre Ratlosigkeit und innere Lähmung angesichts der Ereignisse des Karfreitag.

 

Nichts von der lauten und schreienden Sprache der Werbung, keine grellen und gewaltigen Bilder.

 

Aber vier Mal ist vom Sehen die Rede. Das erste Sehen ist gewissermaßen die Antwort auf ihre ganz praktische Frage, wer ihnen wohl den Stein vom Grab wegwälzen würde.

 

Sie sehen, dass er bereits fort ist.

 

Das zweite Mal sehen sie, als sie in das Grab hineingehen. Sie hatten erwartet, einen Toten zu finden, den Grund ihrer unsäglichen Trauer. Aber sie sehen „auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen.“, sie sehen einen Lebenden. Und dieser Lebendige, der fordert sie auf noch tiefer zu sehen: „seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hat!“ und zum vierten Mal: Geht voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“

 

Immer tiefer, immer intensiver wird das Sehen der Frauen am Ostermorgen.

 

Ich glaube das ist die Botschaft von Ostern: mit dem Glauben an den Auferstandenen ändert sich unsere Art zu sehen. Wir sehen gewissermaßen mit Osteraugen, mit den Augen Gottes.

 

Viele Menschen fragen, was sich denn eigentlich verändert habe, seit dem ersten Ostern vor 2000 Jahren. Und sie weisen darauf hin, dass es auch heute noch Gräber gibt, Menschen leiden und sterben, manchmal sinnlos und brutal-. Und trotz Ostern gibt es den Corona Virus mit all seinen schlimmen Folgen. Die Fernsehbilder aus Italien oder Spanien und anderswoher aus den letzten Wochen haben es uns wieder einmal drastisch vor Augen geführt. Menschen werden krank und leiden – manchmal unmenschlich hart. Und die Skeptiker haben dann ja zunächst einmal recht. Das Leid zu leugnen oder zu glorifizieren wäre zynisch und dumm.

 

Aber was hat sich denn dann verändert durch das Ostern der Frauen und der Apostel, was hat sich verändert durch die Auferstehung Jesu oder etwas bescheidener: was kann sich verändern?

 

Ostern kann unsere Sehgewohnheiten ändern. Wir können lernen tiefer zu schauen, mit dem Herzen, ja, mit den Augen Gottes. Ostern kann uns den Mut geben, zu unseren eigenen Gräbern hinzugehen, sie überhaupt erst richtig anzuschauen, mit all den Fragen, die uns dabei bewegen. Wenn ich mein Leid bewusst anschauen und akzeptieren kann, dann bin ich ihm nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert. Dann ist es zwar nicht weg, aber ich kann besser und freier mit ihm umgehen.

 

Und wenn ich tiefer schaue, dann kann ich vielleicht auch – wie die Frauen am Ostermorgen – statt des Todes, das Leben entdecken, ja im Tod das Leben wahrnehmen – wenigstens als Hoffnung. Ich kann sehen, dass das Letzte nicht das Corona-Virus ist ja, nicht einmal der Tod selbst. Das Letzte ist das Leben, das von Gott kommt und zu ihm zurückkehrt und in ihm lebendig bleibt als Leben ohne Ende.

 

Und zuletzt kann ich durch meine neue österliche Sichtder Dinge das Angesicht der Welt verändern, wenn ich nämlich entdecke, dass Jesus mir immer wieder auch in meinem Alltag – in Galiläa, sagt der Evangelist Markus – sichtbar wird in den Situationen, die ich durchlebe, und besonders in den Menschen die mir begegnen.

 

Der Kabarettist Hans Dieter Hüsch hat es in einem Gebet so ausgedrückt:

 

Du hast ihn o Herr überwunden

für uns aus dem Weg geräumt, den Stein

Du bist durch ihn hindurch gegangen.

Und Maria Magdalena, Sünderin einst,

hat uns die Nachricht gegeben:

ich habe den Herrn gesehen

ruhiger denn je,

gelassener denn je und freier als alle Freiheit.

Alle Großzügigkeit war um ihn versammelt

alle Liebe in ihm

und so hat er uns verlassen

um Tag und Nacht bei uns zu sein.

Ich habe den Herrn gesehen,

so möchten wir sagen

Seht welch ein Mensch

so möchten wir sein

Fürchtet euch nicht

die Türe steht offen

der Stein ist verschwunden

wir können mit ihm in alles hinein

aus allem heraus und durch alles hindurch gehen.

 

Ich wünsche – auch im Namen aller im Pastoralteam – ein gesegnetes Osterfest!

 

Fürbitten:

 

Gott hat Jesus aus dem Tod in das neue Leben gerufen;
wir setzen unsere Hoffnung für uns selbst
und für die Welt auf den lebendigen Christus.
Wir rufen ihm unsere Not zu und bitten um seine ansteckende Lebenskraft…

 

Bitten:

 

  • Wir beten für alle, die in Furcht leben vor dem Corona-Virus;
    für die Menschen, die infiziert sind und isoliert bleiben müssen.
    Und für die vielen, die das Virus schon haben, ohne es zu wissen.

 

  • und für alle, deren Leben die Krankheit ernsthaft bedroht.
    Und für alle, die das Glück hatten, wieder gesund zu werden.

 

  • Wir beten für die Krankenschwestern und –Pfleger,
    die Ärzte und Ärztinnen und alle im Gesundheits-Dienst und in den Krankenhäusern,
    die alle Kraft einsetzen, um den Kranken zu helfen und die Gesunden zu schützen.

 

  • Wir beten für alle, die gesund sind
    und sich in der Nachbarschaft, in der Gemeinde oder weltweit einsetzen
    für Menschen in Krankheit und Not.

 

  • Für alle, die die notwendigen Einschränkungen geduldig ertragen und mittragen
    und sie phantasievoll mitgestalten;
    und für die Politikerinnen und Politiker, die den allmählichen Neustart vorbereiten
    und darüber verantwortungsvoll entscheiden müssen.

 

  • Wir beten für die Männer, Frauen und Kinder in Flüchtlings-Lagern und -Unterkünften,
    in Südeuropa und hier in Deutschland, die jetzt zusätzlich isoliert und bedroht sind;
    und für die 1.500 Kinder und Jugendlichen, die wohl nach Europa kommen dürfen.

 

  • Wir beten für die vielen Menschen,
    die auch weiterhin unter Krieg und Bürgerkrieg und anderen Konflikten der Mächtigen leiden –
    in Afrika und im Nahen Osten, zwischen Indien und Pakistan.
    Und für die Menschen, die eindringlich zum Frieden aufrufen - gerade jetzt.

 

  • Wir beten für alle Christinnen und Christen, die Ostern feiern –
    allein oder in der Familie und mit der Gemeinschaft der Kirche verbunden –
    als Fest der Hoffnung auf neues Leben vor dem Tod und nach dem Tod.

 

Auferstandener Jesus Christus,
in deiner Liebe liegt Leben für uns und die Welt.
Wir vertrauen uns dieser Liebe an – hoffnungsvoll und dankbar
an Ostern heute und morgen und bis in deine Ewigkeit. Amen

 

Vater unser        

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 10.04.2020 Karfreitag
@Andreas Webel - Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Martinus

In der Karfreitagsliturgie feiern wir jedes Jahr das Leiden und Sterben Jesu Christi.Es ist eine zentrale Feier dieser Tage. Denn Tod und Auferstehung des Herrn sind das Zentrum unseres Glaubens. Leiden und Tod Jesu sind der Kern des Karfreitags, eines Tages, der ausgehalten werden muss. Der Karsamstag mit der Grabesruhe Jesu ist gewissermaßen die Atempause vor dem Aufatmen am Ostermorgen, vor dem neuen Leben der Auferstehung und der unbändigen Freude darüber.

 

Der folgende Kreuzweg wurde vom Liturgiekreis Züsch/Neuhütten gestaltet und sollte in einer Andacht in der Züscher Kirche gebetet werden. In etwas veränderter und geraffter Form möchte ich ihn zur Verfügung stellen, damit er am Karfreitag gebetet werden kann. Vielleicht gibt es ja einige Menschen, die sich um 15.00 Uhr beim Lesen und Beten dieser Texte mit einander verbinden.

 

In der Vorbereitung haben sich mir folgende Fragen gestellt?
1. Wo liegt der Ursprung des Kreuzweges, wo kommt er her?
2. Was ist der Sinn eines Kreuzweges?

 

In der Bibel findet man so direkt keinen Kreuzweg mit seinen 14 Stationen.  Er wurde wohl später von den ersten Christen eingeführt, um an den Leidensweg Jesu zu erinnern.
Er wurde in Form von Bildern in die Kirchen gehängt als Armenbibel, damit auch Menschen, die nicht lesen konnten, das Leiden und Sterben Jesu mitgehen konnten.

 

Für mich sollen die Stationen wiedergeben, was auch wir Menschen im Laufe unseres Lebens auf unseren mehr oder weniger freiwilligen „Kreuzwegen“ und Schicksalsschlägen erleben oder vielmehr durchleben müssen und welchen Menschen wir dabei begegnen können die uns tragen und helfen. Oder auch wie wir für unsere Mitmenschen manchmal Personen aus den Kreuzwegen sein können.

 

Eröffnung:

Herr Jesus Christus, du hast das Kreuz, an dem Du für uns gestorben bist, auf deine Schultern geladen und hinauf nach Golgota getragen. Auch wir tragen immer wieder unser Schicksal wie ein Kreuz, das auf uns liegt und uns zu erdrücken scheint. So wollen wir gemeinsam mit dir deines Leidens, unseren eigenen Lebenserfahrungen und der Schicksale anderer Menschen gedenken und zusammen mit dir beten.

(Ralf Kuhn)

  1. Station: Jesus nimmt sein Kreuz auf seine Schultern (Elisabeth Steinmetz)

    Jesus umfasst das harte, kantige Kreuz mit beiden Händen.
    Er nimmt sein unabwendbares Leid fest entschlossen an.
    Wer mit seiner Gegenwart rechnet, darf eine Kraft erfahren, die nicht aus ihm selber kommt.
    Es ist die Kraft Jesu Christi.
    Sie schenkt die Gnade der Gewissheit, dass wir in unserer Angst und menschlichen Schwachheit nicht alleine sind.
    Dass selbst ein unerträgliches Kreuz mit ihm zusammen erträglich werden kann.

    -Stille-

    Gott, wir bitten dich:
    für alle, die ein körperliches oder seelisches Leid tragen,
    für alle, die uns nicht sympathisch sind
    für alle, die von uns gekränkt wurden
    für uns, die wir dem Leid gerne ausweichen
    um Mut für uns selbst, uns den Aufgaben zu stellen und Verantwortung zu übernehmen.

 

  1. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.  (Margot Moser)

    Die Last des Kreuzes zwingt Jesus in die Knie. Zu schwer ist die Last, die ihm andere aufgebürdet haben. Sie prügeln ihn und zwingen ihn weiterzugehen. Es ist Freitagmittag und sie wollen ihr Werk so schnell wie möglich zu Ende bringen. Ich frage mich, was lässt Jesus weitergehen?
    Wie ist es in der heutigen Zeit? Viele Menschen auf der ganzen Welt werden von der Last, die ihnen von anderen aufgeladen wird, niedergedrückt. Sei es durch Diktatoren oder menschenverachtende Regierungen. Oder durch ihren Chef bei der Arbeit (burnout), durch Kollegen (mobbing) oder die Eltern und Lehrer (Leistungsdruck in der Schule) oder durch Lügen und Betrügen, … Man könnte die Liste beliebig weiterführen. 
       
    -Stille-

    Für alle die von ihrem Kreuz beschwert oder gar erdrückt werden wollen wir beten.
    Um Kraft zum durchhalten und weitergehen. Um Zuversicht, dass sich immer wieder neue Wege auftun. Um unzerstörbare Hoffnung auf Zukunft.

 

  1. Station: Jesus begegnet seiner Mutter (Andreas Webel)

    Der Tod eines Kindes, das ist das Schlimmste, was Eltern widerfahren kann.
    Es ist, als würde ein Stück vom eigenen Leben weggerissen.
    Fragen stellen sich:
    Wie kann das Geschehen?
    Wie kann Gott so etwas zulassen?
    Warum muss es solches Leid geben?
    Es sind Fragen, auf die wir keine Antwort finden, die quälen und manchmal sogar zweifeln lassen.

    -Stille-

    Wenn wir Maria im Kreuzweg begegnen, beten wir für alle Eltern, die ein Kind verloren haben:
    Wir beten darum, dass es Menschen gibt, die da sind, die mittragen und trösten, so gut es geht.
    Wir beten darum, dass sie Trost erfahren in ihrer Trauer und dem Leben weiter trauen können.

 

  1. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen (Ralf Kuhn)

    Herr Jesus Christus, als das Kreuz und der Weg zu schwer wurden, hast du auf deinem Kreuzweg Hilfe erfahren, unerwartete Hilfe von einem Fremden. Ähnlich geht es auch uns Menschen im 21. Jahrhundert auf unseren ganz alltäglichen, kleinen und großen Kreuzwegen.
    Auch wir erfahren immer wieder Hilfe von anderen Menschen, Freundschaft und Begleitung. Dafür danken wir Dir, großer Gott.

    -Stille-

    Und wir bitten dich besonders für die vielen verfolgten Christen weltweit, dass auch sie Hilfe erfahren, wenn es am nötigsten ist.
    Wir bitten dich für die Menschen die leiden müssen unter Unrecht und Gewalt, die betroffen sind von Krieg und Not, die leiden unter Naturkatastrophen den Folgen des Klimawandels.
    Wir beten für die vom Corona Virus betroffenen Menschen.

 

  1. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt (Gabi Kretz)

    Es ist soweit. Keine Gnade, kein Entrinnen. Jesus wird ans Kreuz genagelt! Welche Last, welche Qual?
    Es ist kein „Heldentod“ den Jesus stirbt. Im Gegenteil, die Nachricht die hier ausgesendet wird ist von weitem für alle sichtbar: „Schaut ihn euch an, so geht es einem, der denkt er wäre was Besseres!“
    Und was tut Jesus? Er vergibt denen die ihm das antun! Ob ich das könnte?
    Was würde ich an seiner Stelle tun? Ich weiß nicht, ob ich diese Größe hätte. Mir fällt es ja schon schwer, anderen für wesentlich weniger zu vergeben. Sei es in der Familie, bei der Arbeit oder im Verein. Oder ich akzeptiere die Meinung anderer nicht weil ich denke ich habe Recht und die Anderen Unrecht. Die müssen so sein wie ich!

    -Stille-

    Lasst uns für die Menschen beten die nicht verzeihen können!  

 

  1. Station: Jesus stirbt am Kreuz (Elisabeth Steinmetz)

 

Der Tod ist das Ende.

Der Tod bedeutet scheitern.
Alles, wovon die Jünger geträumt und was sie ersehnten, scheint zerstört.
Und dann noch dieser schändliche Tod am Kreuz, der Tod ungerechte als Verbrecher.
Jesu Weg scheint zu Ende. Seine Botschaft scheint der Lächerlichkeit preisgegeben.
„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ Mit Hohn und Spott überschütten ihn die Menschen.
„Wo ist nun den Gott?“

-Stille-

Wir beten für alle, die wegen ihrer Überzeugung verfolgt, gequält und getötet werden.
für alle, die Unrecht erleiden und Ungerechtigkeit.
für alle, die soziale Tode sterben, weil sie verspottet und bloßgestellt werden.

 

  1. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß der Mutter gelegt  (Margot Moser)


Herr Jesus Christus, wir sind in Gedanken und im Gedenken an Dich alle Stationen deines Leidens und Sterbens heute mit dir gegangen. Vielleicht haben wir auch in unserem Herzen das Leid, deine Angst und Not und deine Schmerzen spüren können. Und dann Deinen Tod, der Ruhe und auf wunderbare Weise etwas Befreiendes zum Ausdruck bringt.

-Stille-

Wir wollen beten für alle Menschen, die Angst vor dem Tod haben, dass sie durch Dich ihre Angst überwinden und glauben können, dass ihr Leben nicht genommen, sondern durch Dich Herr Jesus Christus gewandelt wird zum ewigen Leben mit Gott.

 

Abschluss

Der Kreuzweg Jesu ist zu Ende.
Erschüttern und verstörend ist er gewesen für die Apostel und alle, die Jesus auf seinem Weg begleitet und erlebt haben.
Wäre der Weg Jesu mit seinem Tod tatsächlich zu Ende gewesen, so hätten wir keine Hoffnung mehr.
Aber der Kreuzweg Jesu mündete – durch das Grab hindurch – in der Auferstehung und im ewigen Leben, dass auch uns verheißen ist.
Das ist die Botschaft – nicht in den Tod, sondern ins Leben geht unser Weg.
Nicht Karfreitag und das Grab ist das Ziel, sondern Ostern und die Auferstehung:
Beten wir mit Jesus so wie er uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser

> 09.04.2020 Gründonnerstag
@Andreas Webel

Lesung:  1 Kor 11,23-26


Schwestern und Brüder!
Denn ich habe vom Herrn empfangen,
   was ich euch dann überliefert habe:
Jesus, der Herr,
   nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,
sprach das Dankgebet,
brach das Brot
und sagte: Das ist mein Leib für euch.
Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch
und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut.
Tut dies, sooft ihr daraus trinkt,
   zu meinem Gedächtnis!
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt,
   verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

 

Gedanken:

Mit dem Abend des Gründonnerstag beginnt das sogenannte Triduum Sacrum.

Es sind die drei bedeutsamsten Tage im Kirchenjahr. Deshalb ist es schade, ja sogar tragisch, dass wir die Gottesdienste dieser Tage in diesem Jahr nicht in großer Gemeinschaft feiern können. Die Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen verhindert dies. Vielleicht hat das aber auch einen „positiven“ Effekt: dass es uns nämlich schmerzlich bewusst wird, wie sehr wir die Riten und Feiern dieser Tage doch brauchen. Denn sie haben zu tun mit dem Ursprung und dem Fundament unseres christlichen Glaubens.

In der Lesung aus dem ersten Korintherbrief, der zur Liturgie des Gründonnerstag gehört, ist uns der wahrscheinlich älteste Text einer eucharistischen Liturgie überliefert. Seit dem ersten Gründonnerstag, dem Abschiedsmahl, das Jesus mit den Aposteln feierte, haben die Christen die Worte Jesu über Brot und Wein und seinen Auftrag, dies immer wieder zu tun wörtlich genommen.
Die Feier des Abendmahles – wir sagen der Eucharistie – gehört zum Wesentlichen unseres Glaubens.
Jesus hat uns mit den Gaben von Brot und Wein und der Feier des Abendmahles ein kostbares Geschenk gemacht.
Indem er das Brot und den Wein genommen hat, beides gesegnet und an die Apostel ausgeteilt hat, hat er ihnen eine Erinnerung geschenkt: Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Vielleicht haben Sie auch solche Erinnerungsstücke an besondere Menschen oder Ereignisse in Ihrem Leben. Vielleicht ein Bild oder einen Gegenstand. Und wann immer Sie dieses Bild, diesen Gegenstand in die Hände nehmen, dann wird der Moment oder die Person in Ihrem Herzen lebendig. In meinem Bücherregal steht seit über 3 Jahren ein Pinienzapfen aus Assisi. Die Teilnehmerin einer Jugendfreizeit hat ihn mir als ein „Wichtelgeschenk“ gegeben. Wann immer ich diesen Pinienzapfen zur Hand nehme, dann wird Assisi in meinem Herzen und meiner Phantasie lebendig: die Landschaft, die Menschen, die Häuser aus umbrischem Sandstein, die Sonne, der Duft von Lavendel und Rosmarin, …

In dem Gedächtnis, das Jesus uns geschenkt hat, bleibt er lebendig und greifbar für uns. Wenn wir das Brot und den Wein empfangen, dann kann Jesus in unseren Herzen aufleben:
Er, der gelitten hat und zermahlen wurde wie das Korn und die Trauben.
Er, der zum lebensnotwendigen Lebensmittel geworden ist für uns.
Er, der uns, wie damals die Apostel, immer wieder zur Gemeinschaft untereinander und mit ihm aufruft und diese Gemeinschaft stiftet.

Aber das, was wir an Gründonnerstag feiern ist noch viel mehr:
Jesus sagt auch über das Brot: „Das ist mein Leib!“ Und über den Wein sagt er: „Das ist mein Blut!“ In seinem Geschenk von Brot und Wein wird das Wirklichkeit, wenn wir es in der Gemeinschaft unserer Gemeinde nachvollziehen. Er selbst wird in diesen Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig in unserer Mitte. In diesen beiden Gaben, den eucharistischen Gaben ist das Leben, das Sterben und die Auferstehung Jesu gegenwärtig. In ihnen liegt daher tatsächlich das ganze Geheimnis unseres Glaubens verborgen – oder besser: kann es offenbar werden für jeden, der sich darauf einlässt.


Ein solches zeichenhaftes Geschenk, das von Jesus kommt und uns seine liebende Gegenwart offenbart und in uns die Gemeinschaft mit Gott bewirkt, das nennen wir Sakrament: wirksames Zeichen der Liebe Gottes.
Und alle diese Zeichen liegen begründet in dem, was damals mit Jesus geschah.
Uns allen wünsche ich – trotz allem – ein gesegnetes und bewegendes Osterfest, an dem uns Gott wirklich nahe kommen kann.
Amen!

 

Fürbitten

Als Jesu Kirche feiern wir weltweit in jeder Eucharistiefeier seine Lebenshingabe am Kreuz für alle Menschen.
Ihn lasst uns bitten:

  • Am heutigen Abend sind wir wie die Jünger damals um deinen Tisch versammelt.
    Wandle uns zu einer Kirche, die sich deiner Mahlgemeinschaft als würdig erweist.
  • Mit deinem Dienst der Fußwaschung an deinen Jüngern hast du uns gelehrt, wie Gemeinschaft funktionieren kann.
    Hilf uns, zu erfahren, dass alle besser leben, wenn wir mehr miteinander als gegeneinander arbeiten.
  • Deine Worte über Brot und Wein hast du Personen anvertraut, deren priesterliches Wirken die Zuwendung Gottes zum Menschen erfahrbar machen soll.

Weise deiner Kirche den Weg aus dem Eingestehen von Problemen zu Taten für eine Zukunft nach deinem Willen.

  • Sei mit allen Opfern der Corona-Pandemie: den Erkrankten schenke Kraft und Zuversicht, die Toten nimm auf bei dir und den Trauernden schenke Trost.
  • In deiner Angst und Einsamkeit am Ölberg bist du uns in den Ängsten und einsamen Stunden unseres Lebens ganz nahe.
    Dich bitten wir für alle Menschen, die in ihrer Lebenssituation verzweifeln oder sich ausgegrenzt und allein gelassen fühlen.

Herr, Jesus Christus!
Du schenkst dich uns in den Gestalten von Brot und Wein.
So mit dir verbunden kann unser Leben zum Heil für uns selbst und die anderen werden.
Lass uns in Dankbarkeit deine Nähe im Sakrament und der Gemeinschaft deiner Kirche finden. - Amen.

Vaterunser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

> 05.04.2020 Gedanken zum Palmsonntag

Lesung Phil 2,6-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Philippi.

Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
   und wurde wie ein Sklave
   und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
   und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
   der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
   ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
   "Jesus Christus ist der Herr" -
zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

EVANGELIUM - Mt 21,1-11

zur Palmweihe und Palmprozession

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte
   und nach Betfage am Ölberg kam,
   schickte er zwei Jünger voraus
und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt;
dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden
   und ein Fohlen bei ihr.
Bindet sie los, und bringt sie zu mir!
Und wenn euch jemand zur Rede stellt,
   dann sagt: Der Herr braucht sie,
er lässt sie aber bald zurückbringen.
Das ist geschehen,
   damit sich erfüllte,
   was durch den Propheten gesagt worden ist:
Sagt der Tochter Zion:
   Siehe, dein König kommt zu dir.
Er ist sanftmütig,
und er reitet auf einer Eselin
   und auf einem Fohlen,
   dem Jungen eines Lasttiers.
Die Jünger gingen
und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.
Sie brachten die Eselin und das Fohlen,
legten ihre Kleider auf sie,
und er setzte sich darauf.
Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus,
andere schnitten Zweige von den Bäumen
   und streuten sie auf den Weg.
Die Leute aber, die vor ihm hergingen
   und die ihm folgten, riefen:
Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe!
Als er in Jerusalem einzog,
   erbebte die ganze Stadt
und man fragte: Wer ist dieser?
Die Leute sagten:
   Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

 

Gedanken Gedanken

 

Der Hymnus des Philipperbriefes, der an Palmsonntag als Lesung gelesen wird ist für mich eine der schönsten und großartigsten Beschreibungen des Wesens Jesu. In ganz knappen Worten die treffen, führt er uns Jesus vor Augen. In diesem Hymnus, der zu Beginn der Karwoche gelesen wird, kommt kurz und knapp, in wenigen Worten das zum Ausdruck, was mit dem Einzug in Jerusalem beginnt und was mit Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern sein Ende findet.
Wir müssen es uns, glaube ich, einmal ganz bewusst vor Augen führen: Jesus, Gottes Sohn – für uns Christen also Gott selbst – gibt sich so total und vollständig in die Hand der Menschen, dass er sogar den Tod erleidet.

 

Wir kennen alle das Spiel der Macht, wie es in unserer Welt gespielt wird. Da zählt meist nur der Stärkere, der Mächtigere, derjenige mit dem meisten Geld oder mit den stärksten Waffen. Es ist wie ein Kreislauf seit es Menschen gibt; ein Kreislauf von Gewalt und Macht.
Und wenn wir die Geschichte der Menschheit betrachten, dann scheint es auch keinen Ausweg zu geben aus diesem Kreislauf. Wenn wir unsere Geschichte in den letzten 75 Jahren anschauen, dann können wir schon froh sein, wenn es eine Balance der Macht gibt, die uns daran hindert neue Kriege zu führen. Und übrigens: es hat in diesen 75 Jahren fast keinen Augenblick ohne irgendeine kriegerische Gewalt irgendwo auf dieser Erde gegeben.
Im Kleinen, privaten Bereich, ist das oft genauso: Verlierer sind meist die ohne Bildung, ohne Geld und ohne Macht. Die Schere zwischen Arm und Reich, die in unserer Gesellschaft immer größer wird, beruht unter anderem auch auf diesem Kreislauf. Es gibt ihn überall, auch in unserer Kirche. Er liegt ganz einfach in unserem menschlichen Wesen begründet.
„America first!“ „Unser Land zuerst!“ – auch im Umgang mit den Flüchtlingen in Europa ist es wieder einmal dramatisch zu erleben.

 

Und in der Corona-Krise kommt es ebenfalls zum Ausdruck: „Diejenigen, die es können machen Hamsterkäufe, sorgen erst einmal für sich selbst. Diejenigen, die nicht so viel Geld haben, können sich dann das, was übrig bleibt nicht mehr leisten.



Deshalb ist es wichtig, dass wir uns immer wieder, jedes Jahr neu mit dem konfrontieren, was in den Kartagen vor Augen geführt wird: mit dem Gott nämlich, der aussteigt aus diesem Kreislauf, mit dem Gott, der sich entäußert. Er lässt alle Macht fallen und gibt sich ganz in die Hand seiner Mitmenschen. Er nimmt sogar den Tod in Kauf. Und der Mensch, Jesus, kann das tun, weil er ganz seinem Gott vertraut. Er weiß, mit seinem Gott kann er nie scheitern oder verloren gehen, auch wenn es nach außen hin danach aussieht.



Mit seinem Gott im Herzen braucht Jesus nicht auf einem Streitross und mit einem Heer nach Jerusalem einzuziehen, es reicht eine junge Eselin. Mit seinem Gott an der Seite kann er vor Pilatus stehen, ruhig und ungebrochen. Mit seinem Gott im Herzen kann er noch im Sterben den Feinden vergeben, denn er weiß: Gott hält ihn in seiner Hand und wird ihn nicht in den Tod fallen lassen.

 

Der Kreislauf von Macht und Gewalt wird immer dann durchbrochen, im Kleinen jedenfalls, wenn Menschen sich entäußern. Er wird da unterbrochen, wo Menschen von sich selbst absehen und auf andere schauen. Gerade zur Zeit, in der so genannten Corona-Krise, gibt es auch viele solcher Menschen, die den Kreislauf durchbrechen und sich entäußern. Sie schauen auf andere und bieten Hilfe an in schwierigen Zeiten: eine Tüte mit Lebensmitteln, einen Gang zum Einkaufen, ein Telefonanruf, der die Einsamkeit unterbricht. Das alles schenkt Auferstehung im Kleinen – Wir können so leben, weil Gott selbst aus diesem Kreislauf ausgebrochen ist, es vorgelebt hat und uns Leben in Fülle schenkt.

 

Fürbitten

 

Herr Jesus Christus,

du hast Angst und Einsamkeit durchlebt und aus­gehalten.

Hingabe statt Macht hast du gewählt.

Wir vertrauen dir als Mittler und Fürsprecher beim Vater und bitten dich:

 

m Für alle Menschen, die ihr Können und ihre Kraft für andere einset­zen,
die Zeit und Liebe investieren: Für die Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen, für alle, die das Leben während der Corona-Krise durch ihren Einsatz unterstützen.
Christus, höre uns …

 

m Für alle, die am Corona-Virus erkrankt sind, für alle Daran Verstorbenen und deren Angehörige.
Christus, höre uns …

 

m Für alle Christen, die ihren Glauben an dich bekennen und bezeugen,
vor allem für die unterdrückten und verfolgten Christen. Wir beten besonders
für die Christen im Nahen und Mittleren Osten.
Christus, höre uns ...

 

m Für alle Menschen, die große Angst haben und keine Hilfe erfah­ren.
Wir beten besonders für die vielen, die schon lange ohne Arbeit sind,
und für alle, deren Zukunft unsicher ist.
Christus, höre uns ...

 

m Für unsere Verstorbenen und für alle Opfer der Gewalt.
Christus, höre uns ...

 

Herr, Jesus Christus,
du hast uns gezeigt, dass ein Leben in Liebe und Hingabe möglich ist.
Mach uns bereit, dir auf diesem Weg zu fol­gen.
Dir sei Dank und Ehre, heute und in alle Ewigkeit.
Amen.

 

Vater unser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandämie



> 29.03.2020 5. Sonntag der österlichen Busszeit

Evangelium: Joh 11,3-7. 17. 20-27. 33b-45


In jener Zeit
   sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht:
   Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank.
Als Jesus das hörte,
   sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod,
sondern dient der Verherrlichung Gottes.
Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.
Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lazarus.
Als er hörte, dass Lazarus krank war,
   blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.
Danach sagte er zu den Jüngern:
   Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

Als Jesus ankam,
   fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

Als Marta hörte, dass Jesus komme,
   ging sie ihm entgegen,
Maria aber blieb im Haus sitzen.
Marta sagte zu Jesus:
   Herr, wärst du hier gewesen,
   dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Aber auch jetzt weiß ich:
   Alles, worum du Gott bittest,
   wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm:
   Ich weiß, dass er auferstehen wird
   bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.
Jesus sagte zu ihr:
   Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt,
   wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt,
   wird auf ewig nicht sterben.
Glaubst du das?
Marta sagte zu ihm:
   Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist,
der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

 

Gedanken


Die Frau war gerade mal etwas über 60 Jahre alt. Und was hatte sie nicht schon alles erlebt in diesen sechs Jahrzehnten!
Ihr erster Mann, mit dem sie zwei Kinder hatte, war früh gestorben. Dann hatte sie ihren zweiten Mann kennengelernt und alles schien wieder gut zu werden. Ein drittes Kind war geboren worden. Doch dann kam der Krieg. Eines Abends hieß es: „Die russische Front kommt näher. Könnte sein, dass sie morgen schon da ist.“ Das nötigste musste schnell in zwei, drei Taschen verstaut werden und dann ging er los, der Treck, die Flucht mit den Viehwagen. Das alte Leben unwiederbringlich zerstört.

Dann, nach dem Krieg hatten sie alle – Gott sei Dank – die Flucht überlebt und eine neue Heimat gefunden. Das Leben schien sich endlich zum Besseren zu wenden. Die Zukunft sah gut aus. Aber dann – er war erst 61 Jahre alt – wurde der zweite Ehemann auch krank. Krebs! Der Weg war vorgezeichnet.
Als der Mann dann im Sterben lag, da ging die Frau zum Schrank und holte ein kleines Paket heraus. Es war eine Kerze – die Taufkerze des Mannes: bei der Flucht vor der russischen Armee hatten sie ihre Taufkerzen mitgenommen. Die Frau zündete sie an und stellte sie zur Sterbegarnitur auf dem Nachttisch. Jetzt sollte Gott zeigen, dass sein Versprechen, dass er durch Jesu Tod und Auferstehung gegeben hatte, wahr ist.

Welche Verzweiflung, aber auch welches Vertrauen, welche Hoffnung in Gott zeigt sich in dieser brennenden Taufkerze.
Ein Vertrauen, das auch aus den Worten Martas spricht, als sie Jesus entgegen geht: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“

Sie weiß, dass eigentlich alles zu spät ist, Lazarus ist sogar schon begraben.

Aber mit Jesus ist auch dann nicht einfach alles aus und vorbei. Vertrauen in Gott, in Jesus Christus und sein Versprechen, bedeutet Hoffnung und Perspektive, wenn alles Hoffnungslos und ohne Sinn erscheint.
Und Mut machende Zeichen für diese Lebensperspektive gibt es immer wieder um uns herum: Das allgegenwärtige „Auferstehen“ in der Natur im Frühling – wir erleben es zur Zeit vielleicht intensiver als in früheren Jahren; die Einschränkungen während der Corona-Krise belasten nicht nur, sie schenken uns auch Zeit dafür.
Und dann sind da die vielen kleinen Auferstehungen, die es immer wieder zu erleben gibt:

 

  • der von Kindern gemalte Regenbogen in vielen Fenstern, über dem steht: „Es wird alles gut!“
  • die Phantasie und Kreativität mit der viele Menschen ihre Hilfe anbieten während der Zeit der Einschränkungen.
  • die Gemeinschaft und der soziale Zusammenhalt, der in der Zeit des „Abstand-Haltens“ während der Krise nicht weniger wird, sondern sogar stärker sichtbar wird.
  • die Zeichen der Solidarität mit den Ärmsten in der Welt, die durch die Spenden für das Hilfswerk Misereor m Umkreis des heutigen Misereor-Sonntags hoffentlich auch in diesem Jahr gesetzt werden.

Ein solches Zeichen im Kirchenjahr ist die Feier der Osternacht. Nach der Weihe des Osterfeuers wird die neue Osterkerze entzündet und in die dunkle Kirche getragen. Dabei wird dreimal gesungen: „Lumen Christi.“ Und alle antworten „Deo gratias.“ „Das Licht Christi.“ – „Dank sei Gott.“  Das Licht Christi – seine Auferstehung – leuchtet in der Finsternis. Es leuchtet sogar in der Finsternis des Todes.

In der diesjährigen Osternacht wird es keine öffentliche und gemeinschaftliche Lichtfeier geben. Es wird dieses wichtige Zeichen für uns Christen nur in abgeschwächter Form geben.
Vielleicht haben Sie ja noch ihre Taufkerze irgendwo im Schrank liegen. Nehmen Sie doch diese Kerze in der Osternacht oder am Ostermorgen einmal aus dem Schrank heraus und zünden Sie sie an (im Zweifel irgendeine andere Kerze). Betrachten Sie dieses Licht für einen Augenblick – es ist das Licht Ihrer ganz persönlichen Osterkerze – das Hoffnungslicht, dass ihnen ganz persönlich zu Ihrer Taufe mit den Worten geschenkt wurde: „Empfange das Licht Christi!“. Es liegt darin sie Zusage Gottes: „Es wird alles gut! Egal was geschieht: ich bin das Licht im Dunkel der Nacht!“ Und es liegt darin die Ermutigung: „Vertraue darauf, egal wo Du bist und was Dir geschieht!“
Jesus sagt zu jedem von uns ganz persönlich:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.
Glaubst Du das?“

Amen.

 

Fürbitten:

Jesus Christus,

du bist gekommen, um den Menschen Licht, Heil und Trost zu schenken. Führe uns zusammen, auch wenn wir voneinander Abstand halten müssen.
Zu dir dürfen wir mit unseren Anliegen kommen und beten:

 

  • Für alle, die unter der Corona-Pandemie leiden, für die an Covid19 Erkrankten, die im Krankenhaus sind und für alle in Quarantäne.
    Erhöre uns, Christus
  • Wir beten für die Berufstätigen, die unsicher sind, wie es weitergeht und für alle, deren Existenz in Gefahr gerät.
    Erhöre uns, Christus

  • Wir beten für die vielen Menschen, die unermüdlich im Einsatz sind in Arztpraxen und Spitälern und sich um das Wohl der Kranken kümmern.
    Erhöre uns, Christus

  • Wir beten für die Familien in dieser herausfordernden Situation, und für alle in Politik und Wirtschaft, die für das Land und für Europa wichtige Entscheidung treffen müssen.
    Erhöre uns, Christus

  • Wir beten für alle, die die Grundversorgung gewährleisten und für die Menschen in den Labors, die unter Hochdruck Tests auswerten und nach Medikamenten forschen.
    Erhöre uns, Christus


  • Wir beten für alle Gläubigen in dieser schwierigen Zeit und für die Seelsorger und Seelsorgerinnen, die neue Formen entwickeln, wie Menschen ihren Glauben miteinander teilen.
    Erhöre uns, Christus

  • Wir beten für die Gläubigen, denen die Gottesdienstgemeinschaft fehlt und für alle, die einander beistehen und ermutigen.
    Erhöre uns, Christus
  • Wir beten für die Mensch auf der Flucht, für alle, die unter unwürdigen Bedingungen leben müssen und besonders für die Kinder auf Lesbos, die durch die Corona-Krise festsitzen.
    Erhöre uns, Christus

  • Wir beten für die Hilfsorganisationen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die selbst unter katastrophalen Bedingungen im Einsatz sind.
    Erhöre uns, Christus

  • Wir beten für unsere Pfarrgemeinden und für alle, die Sorgen und Ängste in sich tragen.
    Erhöre uns, Christus

  • Wir beten für alle, deren Leben gefährdet ist und für die Verstorbenen.

Jesus Christus, du schenkst uns dein Heil und deinen Beistand gerade auch in diesen schweren Zeiten. Dafür danken wir dir und preisen dich mit Gott, dem Vater und dem Heiligen Geist heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

Vater unser

Gebet des Bischofs in Zeiten der Pandemie

 

> 22.03.2020 4. Sonntag der österlichen Busszeit

Da es keine Gottesdienste in dieser Zeit gibt, habe ich mich entschlossen, in den nächsten Wochen Texte zu erarbeiten zu den Lesungen der Sonntage und sie per Mail zu versenden. Enthalten sind jeweils ein Ausschnitt aus den Sonntagslesungen oder Evangelien, Gedanken zu diesem Text und ein Fürbittgebet. Gerne dürfen diese Texte weitergegeben werden, falls sie Euch/Ihnen hilfreich erscheinen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir auch in dieser Zeit ohne gemeinsame Gottesdienste etwas von der Gemeinschaft in derzeit möglichen Formen weiterleben und pflegen.
Sollten Sie/Ihr selbst auf diese Gedanken antworten wollen, können Sie das gerne tun! (Mail: a.webel@franziskus-hermeskeil.de)
Herzliche Grüße und bleibt/-en -/Sie gesund!

Johannes 9, 1-5

 

In jener Zeit
   sah Jesus unterwegs einen Mann,
   der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger:
   Rabbi, wer hat gesündigt?
Er selbst
   oder seine Eltern,
   sodass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete:
   Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,
sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.
Wir müssen, solange es Tag ist,
   die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat;
es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.
Solange ich in der Welt bin,
   bin ich das Licht der Welt.

 

 

Gedanken zum Evangelium:

 

Gestern, im ARD–Extra zur Corona-Krise und in den Nachrichten, konnte man erschütternde Bilder und Berichte aus Italien hören. Die Kapazitäten des örtlichen Krematoriums reichten nicht mehr aus, um die Toten einzuäschern. Soldaten mussten die Toten auf Lastwagen in andere Regionen bringen. Eine Krankenschwester berichtete völlig übermüdet und unter Tränen über ihre Arbeit in einer italienischen Intensivstation. Eine solch extreme Lage haben wir in Deutschland, Gott sei Dank, noch nicht.
Vielleicht könnte es dann bei uns Menschen geben, die die gleiche Frage stellen, wie die Jünger in den ersten Zeilen des heutigen Evangeliums: „Rabbi, wer hat gesündigt?“ Ist diese Pandemie und all das Leid vielleicht doch eine Strafe Gottes für unsere Verfehlungen? So jedenfalls behaupten es einige Unheilspropheten, die sich während solcher Katastrophen immer wieder zu Wort melden, auch jetzt wieder.

 

Um es gleich vorweg zu sagen: Jesus beantwortet die Frage der Jünger mit einem eindeutigen „Nein“. „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ Und das „Werk Gottes an ihm“ ist die Heilung, die Jesus dann im Anschluss bewirkt.
Der Gott Jesu ist kein Gott, der durch Krankheiten und Katastrophen straft, um die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Jesus will vielmehr das Licht der Welt sein.

 

Licht – das ist Orientierung und Trost in der Dunkelheit der Nacht.
Licht – das gibt Mut und Kraft zum Handeln.



„Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ sagt Jesus im Evangelium.  
Zur Zeit ist es nicht möglich die Eucharistie zu feiern, das heißt die Gegenwart Jesu in unserer Welt. Es liegt nun an uns, dieses Licht zu sein durch die Art und Weise, wie wir leben und handeln.
Die Menschen in den Pflegeberufen, in der Betreuung der Corona-Patienten, die Vielen, die Menschen mit besonderen Risikofaktoren – Alte und Kranke – durch tätige Nachbarschaftshilfe unterstützen: das sind die Menschen, die das Licht Jesu leuchten lassen. Sie zeigen uns: auch die Corona-Pandämie ist keine Strafe Gottes – an ihr sollen vielmehr die Werke Gottes offenbar werden – Solidarität und Nächstenliebe, Achtsamkeit und Gemeinschaft.

 

 

 

Fürbitten:

Gott und Vater,
du bist kein strafender Gott. Du willst Licht sein im Leben der Menschen.
Wir bitten dich:

 

  • Für alle Menschen, die Angst haben vor Ansteckung durch das Corona-Virus.
    Für alle, die nun Sorgen haben, wie sie ihr Leben finanziell und im Alltag weiterleben können.
    Guter Vater:
  • Für alle, die sich in der Pflege und Behandlung von Kranken selbst der Gefahr der Ansteckung aussetzen.
    Guter Vater:
  • Für alle Menschen, die Licht sein wollen für andere, indem sie mit Phantasie und Tatkraft helfen und unterstützen.
    Guter Vater:
  • Für Politiker und Machthaber: dass sie in diese   n schwierigen Zeiten das Wohl aller Menschen im Blick haben, nicht nur die eigene Macht und das eigene Wohlergehen.
    Guter Vater:
  •  Für die am Corona-Virus verstorbenen und alle Toten. Nimm sie auf in dein Reich.
    Guter Vater:

Das sind unsere Bitten, guter Gott. Dich loben und preisen wir, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.



Vater Unser


Gebet des Bischofs in Zeiten der Corona-Pandämie