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Ist Synode gescheitert?

10.07.2020 von Georg Steppuhn

Zum Autor: Mein Name ist Dominik Holl, ich bin Redakteur in der Bischöflichen Pressestelle des Bistums Trier in Saarbrücken. In dieser Funktion habe ich das breite Medienecho in Bezug auf die Gespräche zwischen Vertretern des Bistums Trier, darunter auch Bischof Dr. Stephan Ackermann, und Vertretern des Vatikan in Rom genau verfolgt. Gegenstand der Gespräche waren die beiden Klagen gegen das Gesetz zur Umsetzung der Synode im Bistum Trier. Meine Gedanken zu den Ergebnissen dieses Gesprächs und zu den anschließenden Interpretationen der Medien möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

 

Vorerst Gescheitert“, „Reform gestoppt“ – die Schlagzeilen zum Gespräch von Bischof Stephan Ackermann im Vatikan klangen wie ein Abgesang auf die Synodenumsetzung. Wenngleich die eigentlichen Meldungen unter den besagten Schlagzeilen einen weitaus sachlicheren Ton eingeschlagen haben, so schien in den Überschriften eine gehörige Portion Genugtuung der jeweiligen Autoren zu stecken. Ein Redakteur ging sogar so weit, in einem anschließenden Kommentar personelle Konsequenzen in Richtung Bistumsleitung für das sogenannte „Scheitern“ zu fordern.

Aber ist der Prozess denn wirklich gescheitert? Zugegeben: Die Befürworter der Synode hatten sich sicherlich ein anderes Ergebnis aus Rom erhofft. Die Gegner aber wahrscheinlich auch. Denn die Ergebnisse der Synode bleiben als Orientierung weiterhin gültig. Natürlich wurden bestimmte Punkte von Seiten des Vatikans benannt, an denen geschraubt werden muss. Aber zu behaupten, das gesamte Projekt sei gescheitert oder gestoppt, hieße die Sachlage zu verkennen. Denn eines sollte nicht vergessen werden: Bei den Gesprächen in Rom ging es vor allen Dingen um den gesetzlichen Rahmen der äußeren Struktur, sprich: hier ging es um die Administration, die Verwaltung des kirchlichen Lebens. Nicht aber um das kirchliche Leben selbst.

Allein die Reaktion aus Rom ist Beleg dafür, dass ein anderer Wind durch die Kirche weht. Wären die Ideen der Synode ein singuläres Aufbegehren eines einzelnen Bistums, beispiellos in der großen Kirche, ohne Nachahmer oder Gleichgesinnte, die andernorts ähnliche Wege einschlagen – Rom hätte Bischof Ackermann wohl mit einem Tadel und der klaren Absage an alle Pläne nach Hause geschickt. Stattdessen hat Rom die Bedeutung des Vorhabens und die Tragweite der Auswirkungen auf die gesamte Katholische Kirche sogar schriftlich in der Pressemitteilung anerkannt. Allein wegen dieser Konsequenzen versuchen sie nun, ein Auge auf das Gesetz zu haben, um den Grad der Änderungen kontrollieren zu können. Änderungen aber werden kommen und sie werden letztlich von Rom gebilligt sein.

 

Ja, Gottes Mühlen mahlen langsam und Gottes Kirche bewegt sich nur allzu oft zermürbend träge. „Und sie dreht sich doch!“, möchte man sagen. Die Synode ist nicht aus dem Nichts heraus entstanden. Sie ist Teil eines breiten gesellschaftlichen und innerkirchlichen Diskurses über die Erneuerung der Kirche, über einen Weg in die Zukunft. Auch die Gegner der Synode sind Teil dieses Diskurses. Wüssten sie, dass der Weg des Bistums sicher zum Scheitern verurteilt sei, sie würden sich entspannt zurücklehnen. Je heftiger die Reaktionen ausfallen, desto deutlicher wird, dass das Momentum der ins Rollen geratenen Kirche im Bistum immer größer wird.

Werfen Sie nur einmal einen Blick auf die Inhalte der Synode, auf die neuen Gottesdienstformen, von denen dort die Rede ist, auf die neuen Wege, den Menschen pastoral zu begegnen, auf die Ziele, sich als Kirche stärker und vernetzter in die Gesellschaft zu wagen. Schauen Sie sich dann einmal um – in Ihrer Gemeinde, in Ihrem Dekanat, in Ihrer nahen und fernen Umgebung: Was davon gab es vor sieben Jahren schon so? Was ist neu hinzugekommen? Und noch viel wichtiger: Worüber darf nachgedacht und diskutiert werden, ohne dass man für völlig verrückt gehalten wird. Es ist mehr möglich in dieser Kirche. Auch wenn der Prozess um die Struktur der Synodenumsetzung langwierig und kräftezehrend sein mag. Der Diskurs in unserer Kirche hat sich spürbar verändert, das hat die Synode in ihrem Dokument klar manifestiert. Und vielleicht hat die Corona-Pandemie hier auch nochmal als Katalysator gewirkt, um Dinge in Schwung zu bringen, noch mehr undenkbare Dinge nicht nur denkbar, sondern vor allem durchführbar zu machen.

Wenn so Scheitern aussieht, möchte ich gerne wissen, was passiert, wenn aus dem Scheitern ein Erfolg wird!

Dominik Holl, Bischöfliche Pressestelle Trier

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